Volume 1
Handbuch der physiologischen Methodik / unter Mitwirkung von L. Asher [and others] ; herausgegeben von Robert Tigerstedt.
- Date:
- 1911-1914
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Credit: Handbuch der physiologischen Methodik / unter Mitwirkung von L. Asher [and others] ; herausgegeben von Robert Tigerstedt. Source: Wellcome Collection.
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![veriahren (verschiedenartige Läsionen, Exstirpationcn von Organen) zu ver- schiedenen pliysikalischen und chemischen Agentien und schließlich zu den Mikroorganisnien bemerkt. Es kommt vor, daß sich sogar Arten derselben Gattung im gesagten Sinne unterscheiden, so z. B. die Rana esculenta und die Rana temporaria. Bei solch einer Sachlage ist es verständlich, daß die Untersuchung am häufigsten an solchen Tieren vorgenommen wird, an denen ein positives Resultat erhalten werden kann. Aber auch das Untersuchen der Tiere, die sich negativ verhalten, ist oft von höchstem Nutzen, da es die Bedingungen der gegebenen physiolo- gischen Erscheinung vollständiger aufklärt und folglich zum gründlicheren Verständnis dieser Erscheinung beiträgt. Nach allem Gesagten wird es verständlich, daß die Pharmakologie als der Teil der Physiologie, welcher das Verhalten des tierischen Organismus zu verschiedenen chemischen Agentien erforscht, sich nicht mit einer irgend- welcher Tierart begnügt, sondern sich gewöhnlich zur Regel macht, ein und denselben Stoff an einer ganzen Reihe von Tieren zu untersuchen. Es ist unmöglich, der psychischen Eigenschaften der Tiere nicht zu erwähnen. Es muß mit Schmerz anerkannt werden, daß das beste Haustier des ]\renschen, der Hund, gerade dank seiner hohen geistigen Entwicklung am öftesten das Opfer des physiologisclien Experiments ist. Nur durch die Not wird mau dazu bewogen, an Katzen — an ungeduldigen, schreienden, bösen Tieren, Versuche zu machen. Bei chronischen Versuchen, wenn das operierte Tier, nachdem es sich von der Operation erholt hat, zu lang- dauernden Beobachtungen dient, ist der Hund unersetzlich — sogar mehr, er ist im höchsten Grade rührend. Er ist gleichsam ein Teilnehmer der Versuche, die an ihm vollzogen werden, und trägt durch seine Verständig- keit und Bereitwilligkeit ungemein viel zum Erfolg der Untersuchung bei. Nur ein grausamer Mensch könnte so ein Tier später zu einem anderen Versuch, der mit Schmerzen und mit dem Tode verbunden ist, verwenden. Das häufigste Versuchstier nach dem Hunde ist das Kaninchen — ein sanftes passives Tier, welches nur selten schreit und protestiert. Aus diesen Gründen muß man es als einen sehr großen Fortschritt be- trachten, daß die Zahl verschiedener Arten Tiere, welche zu physiologischen Experimenten benutzt werden, in der letzten Zeit beständig und in großem Maße zunimmt, insbesondere Dank den Arbeiten in den wissenschaftlichen maritimen Stationen. Beim Benutzen der Tiere ist es notwendig, außer auf die Art des Tieres noch auf verschiedene Momente im Leben der einzelnen Exemplare acht zu geben: aufs Alter, auf die Jahreszeit, auf satten oder hungrigen Zustand, auf die Schwangerschaft usw. So ist es festgestellt, daß bei Neugeborenen in den ersten Tagen des extrauterinen Lebens viele zentrifugale Hemmungs- nerven ganz unentwickelt sind. Hunde überstehen schlecht schwere Opera- tionen, wenn sie in strengen Wintern, wie die russischen Winter es sind, bis kurz vor der Operation auf dem Hof bleiben usw. Angesichts alles oben Gesagten werden folgende Regeln, welche jeder der Versuche an Tieren macht, beobachten muß, leicht verständlich sein. Es ist nötig, stets aufs sorgfältigste in jedem Versuch die geringsten Versuchsbedingungen zu bemerken. Es kann vorkommen, daß sogar irgend-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21465721_0001_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)