Die Blindheit : ihre Entstehung und ihre Verhütung / von Hugo Magnus.
- Hugo Magnus
- Date:
- 1883
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Blindheit : ihre Entstehung und ihre Verhütung / von Hugo Magnus. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
40/374 page 14
![glücklich, wenn er noch den Weg allein findet, als ein Holz- hacker, welcher geführt werden muss, vielleicht noch unglück- licher. Streng genommen ist allerdings nur S = 0 oder S — -- als Blindheit zu betrachten, aus naheliegenden Gründen aber dürfen wir bei dieser ätiologisch und social so wichtigen Frage den Begriff der Blindheit in der angegebenen Weise er- weitern. Nun so sehr ein Jeder Herrn Seidelmann in seiner gefühl- vollen Theilnahme an dem durch Chorioretinitis arbeitsuntaug- lich gewordenen Kreisrichter beistimmen wird, so kann dieser Grund allein doch nicht maassgebend sein, um den betreffenden Kreisrichter nun ohne Weiteres sofort für blind zu erklären. Zwischen Jemand, der einen so umfangreichen centralen Defect hat, wie er bei jenem Kreisrichter vorausgesetzt worden ist, dabei aber immernoch über eine leidlich freie Netzhautperipherie ver- fügen kann, und Jemand, der total blind ist, wie dies bei dem fraglichen Holzhacker der Fall zu sein scheint, ist doch ein so himmelweiter Unterschied, dass man füglich Beide nicht ohne Weiteres in die nämliche Kategorie stellen darf. Aber ganz abgesehen von dem Beispiel, welches unser Autor beigebracht hat, muss die von ihm vorgenommene Erweiterung des Begriffes Blinclsein nicht eigentlich den allgemeinen Begriff der Erblindung so gut wie beseitigen und an seine Stelle eine Menge verschiedener, lediglich durch die Standesansprüche bedingter Sehstörungen, die aber alle der Blindheit gleichwerthig sein sollen, setzen? Da ja die Ansprüche, welche die verschiedenen Berufsarten des bürger- lich cu Lebens an die Leistungsfähigkeit des Auges richten, keineswegs alle die nämlichen sind, vielmehr der eine Beruf erheblich mehr von den Augen seiner Angehörigen verlangt, als ein anderer Beruf, so geht aus dieser Thatsache hervor, dass der Begriff der Blindheit nach Seidelmann kein allgemein ftir alle Individuen gleichwerthiger sein kann, sondern der Um- fang des Begriffes Blindseil] lediglich bemessen werden muss](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21065627_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


