Die operative Geburtshilfe an der k. k. Entbindungsanstalt zu Graz : in ihren Anzeigen, Methoden und Erfolgen ausführlich dargestellt / von Matthäus Fürntratt.
- Fürntratt, Matthäus.
- Date:
- 1860
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die operative Geburtshilfe an der k. k. Entbindungsanstalt zu Graz : in ihren Anzeigen, Methoden und Erfolgen ausführlich dargestellt / von Matthäus Fürntratt. Source: Wellcome Collection.
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![10# Durch die Wendung mit nachfolgender Entbindung war am 16. November 1856, in der 3. Zahlclasse die zweitgebärende, 27 Jahre alte B. Maria behandelt worden, bei welcher sehr viel Fruchtwasser eine Querlage des Kindes mit Vorfall der Nabelschnur begünstiget hatte. Es wurde ungewollter Weise auf das linke Kinn gewendet und, da wegen der von dem Blasensprunge übermässig ausgedehnt gewesenen Gebärmutter die Wehen sehr schwach blie- ben, nach einigem Zuwarten künstlich extrahirt. Die Ausziehung des Kindes wurde aber beim Mangel an Zusammenziehung von der Gebärmutter gar nicht unterstützt, wesshalb sich die Arme über den Kopf hinauf schlugen, das Kinn sich von der Brust entfernte und am Eingänge des Beckens hängen blieb. Das Kind war durch die zeitraubende und schwierige Operation scheintodt und konnte nicht wiederbelebt werden; die Mutter, welche mit Kindbettfieber in’s allgemeine Krankenhaus übersetzt wurde, konnte daraus nach 16 Tagen geheilt entlassen werden. 11# Die P. Elisabeth, 21 Jahre alt, hatte eine Querlage ihres zweiten Kindes, dessen Geburt am 14. Jänner 1857 sechs Wochen vor dem gewöhnlichen Ende der Schwangerschaft erfolgte. Der linke Arm und die Nabelschnur waren mit dem Blasensprunge um 8 ]/2 Uhr Abends vorgefallen: Um 9 J/4 Uhr wurde Wendung auf die Füsse gemacht und das gewendete Kind sofort entwickelt. Das Kind war lebhaft, und die Mutter wurde mit demselben am 8. Tage in’s Findelhaus übergeben. 1£. St. Maria, 36 Jahre alt, eine Zweite aus der 3. Zahl- classe, wurde den 12. März 1857 durch die Wendung und nach- folgende Extraction entbunden. Das querliegende Kind und der tiefe Sitz des Fruchtkuchens, welcher, fast gänzlich gelöst, nahe am Muttermunde sich befand, erheischten die Beschleunigung der Ge- burt. Die Operation war leicht. Das gesunde Kind wurde den anderen Tag in’s Findelhaus übersetzt, die Mutter am 8. Tage aus der Anstalt entlassen. * 13# Sch. Anna, 28 Jahre alt, eine Zweite, ward bei dem Ungemach der öffentlichen Strassenarbeiten, womit sie beschäftiget war, am 14. Mai 1857 in ihrem 7. Schwangerschaftsmonate von Ge- burtsschmerzen befallen. Indem der Umfang ihres Unterleibes enorm gross und straff wie ein Trommelfell gespannt war, genügte zwar die Wehenthätigkeit, die sich schon seit Wochen vorbereitet hatte, den Muttermund zum Verstreichen zu bringen, die längst spring- fertige Fruchtblase aber wurde von der Hebamme künstlich ge- sprengt , wobei alles Fruchtwasser abfloss , der Fruchtkuchen auf den Muttermund vorfiel, und das Kind quer auf den Eingang zu liegen kam. Die dadurch gegebene Anzeige zur Wendung und künstlichen Beendigung der Geburt wurde augenblicklich erfüllt. Ein Theil des Kuchens, der in der Scheide gelegen hatte und sich von selbst vordrängte, war vorher entfernt worden, worauf durch den Muttermund eingegangen, das Kind an einem Fusse ergriffen, gewendet und sogleich entwickelt wurde. Der Best des Fruchtku- chens folgte von selbst.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22446060_0151.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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