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Credit: Tonpsychologie / von Carl Stumpf. Source: Wellcome Collection.
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![der folgenden Jahre noch zwei Halbtöne, sodass er 1864 von d» aufwärts keinen Ton mehr vernahm, sondern nur das Geräusch der Hämmer und Tasten. Zugleich bestand seit dem unglücklichen Ereignis eine grosse Empfindlichkeit der Ohren gegen manche Schalleindrücke z. B. Geigenspiel. Nur zeitweise und rasch vorüber- gehend hatte er grelle und unharmonische subjective Tonempfin- dungen. In den 60 er Jahren begann er auch für die noch übrigen Töne schwerhörig zu werden, was Schwaetze gemäss der Unter- suchung auf verminderte Elasticität des Trommelfells zurückführt. Soweit Schw^etze's Bericht aus dem Jahre 1864. Einen viel ausführlicheren verdanke ich der Güte des Componisten selbst. Herr Dr. Bob. Franz schreibt Febr. 1883, nachdem er den Ver- lust der Region oberhalb e^ erwähnt, Folgendes: „Zu gleicher Zeit war die kleine Terz g^—b^ ganz leblos geworden — kein Ton derselben wollte mit irgend welchem Intervalle harmonisch stimmen: die Pfeife, sich selbst überblasend, mag in diesem Umfange gestan- den haben. Letztere Calamität wurde zwar durch möine damals jugendlichen Kräfte einigermassen überwunden: das zuerst bezeich- nete Deficit hat sich aber niemals wieder einfinden wollen. Offen- bar zerstörte der heillose Schrei die Ohrenclaviatur — zum Teil wenigstens — das Organ wollte immer hören und konnte es doch nicht! In Folge dessen entstand eine Reizbarkeit, die mich fast zum Wahnsinn brachte. — Ohrenklingen, Sausen u. s. w. habe ich nie gehabt [hier ist das Gedächtnis dem Hrn. Yerf nicht ganz treu geblieben], dafür suchten mich aber Hallucinationen heim, die noch weit schwerer zu ertragen waren: Melodien der ordinärsten Sorte setzten sich wie trunken in den Ohren fest und nahmen gleichsam Rache an meinen sonstigen Kunstbestrebungen. Mit der Zeit ge- wöhnt man sich aber an Alles! Die tollen Weisen musiciren mir nach wie vor im Kopfe herum, doch beachte ich sie nicht weiter. — Bei der vor circa 12 Jahren eintretenden radicalen Taubheit ging mir nach und nach das Vermögen verloren, Töne in der Vorstellung nachzubilden: sie wurden immer bleicher und schat- tenhafter. Dieser für den Musiker so entsetzliche Zustand dauerte einige 6 Jahre, bis plötzlich die Augen für die Ohren vicarireud einzutreten begannen. Jetzt percipire ich die Tonuuterschiede weit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21983161_0001_0436.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)