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Credit: Tonpsychologie / von Carl Stumpf. Source: Wellcome Collection.
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![heit in der Seele hervortrieb, ihnen nicht auch die vollste Leb- haftigkeit mitgeteilt hätte. Das Trommelfell seines Vaters fand Hr. Dr. Eichaed Feanz beiderseits in massigem Grade eingezogen (häufige Kachenkatarrhe), etwas getrübt, aber sonst normal. Auffallend sei ihre Grösse und senkrechte Lage. Weiter teilt Hr. Richaed Feanz aus einem Briefe seines Vaters vom Jahre 1879 zwei Bemerkungen mit, von denen beson- ders die erste psychologisch sehr merkwürdig ist. „Was nun Deine Fragen betrifft, so versagten mir vor einigen 10 Jahren die Ohren nicht den Dienst in Bezug auf verwandtschaftliche Verhältnisse der Tonarten untereinander, sondern in Bezug auf ihre locale Nähe. Hatte ich z. B. ein Stück in Cdur gehört und folgte diesem eines in Ddur, so vernahm ich das Ddur noch eine Zeit lang als Cdur: die naheliegende Tonart musste sich förmlich erst Terrain er- kämpfen. Damals erklärte ich mir diese Erscheinung aus einer Erschlaffung des Ohrnerven — letzterer musste durch derbes Auf- pauken (auf das Instrument) geradezu in die Höhe geschroben wer- den. War die Tonart festgestellt, dann gingen die Ohren in die entlegensten Übergänge mit. Ferner ist die Thatsache nicht ohne Interesse, dass, wenn das Gehör durch irgend einen Zufall — Pfeifen, Quieken, Kreischen — geschädigt war, ein recht ener- gischer Chorgesang in der Singakademie [welche R. Feanz bis 1867 zu Halle leitete] demselben den Kopf wieder zurecht setzte. Anfangs stand ich dabei natürlich Höllenqual aus, war aber erst eine Viertelstunde vergangen, dann hatten sich die Nerven wieder gefestiget. Das zuerst Erwähnte scheint auf eine viel grössere Leichtig- keit des Fortganges der Tonvorstellungen in verwandtschaftlicher Richtung (selbst zu sehr entfernten Verwandten) als in der Rich- tung blos qualitativer Ähnlichkeit hinzuweisen-, sowie auf eine grös- sere Abhängigkeit der letzteren Fähigkeit von wirklicher Wahr- nehmung (durch kräftiges Anschlagen der Töne). Dass die Phan- tasie für Tonverwandtschaft — die musikalisch vor allem wichtige — auf wesentlich anderen Bedingungen ruhe, als die für Tonähn- lichkeit, stimmt mit den später darüber anzustellenden Betrach- tungen überein; doch bleibt die Erscheinung noch dunkel genug. Stampf, Tonpsychologie. I. 97](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21983161_0001_0439.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)