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Credit: Tonpsychologie / von Carl Stumpf. Source: Wellcome Collection.
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![von^Refloxtönen beobaclitctc Zaüfal (Wiener med. Wochenscl.r. D. Ein 34jähriger, früher nie ohronleidender, musikalisch aus- gozoichnet begabter und gebildeter Blinder, der sich durch Stimme., und Spielen ernährte, wurde durch Überanstrengung auf dem linkc]i Ohr allmälig total taub. Subjectiv vernahm er daselbst gewöhnlich ein dumpfes Brummen. Wenn er sich auf das gesunde rechte Ohr legte, entstand links Glockenläuten und zwar wie von Glocken verschiedener Höhe (dies hing wol mit der Blutcirculation zusam- men). Eines Tages, als er mit dem Zeigefinger in dem knorpe- ligen Teile des Mnken äusseren Gehörganges ruckweise herumbohrte, hörte er deutlich und scharf markirt im linken Ohr c^. Ebenso' als Zaüfal die vordere oder hintere Fläche des linken Tragus mit dem Finger bestrich. Aber auch beim Streichen des rechten Tragus hörte der Blinde links diesen Ton und zwar deutlicher als beim Streichen des linken. DerYersuch gelang jedesmal an diesem Tage, aber von keiner anderen Hautstelle aus. Elf Tage später, nachdem im Allgemeinen Besserung eingetreten, hörte der Blinde Töne der höheren Region, aber auch schon die a^-Gabel, links „um eine Schwebung tiefer. Beim Streichen des Tragus aber vernahm er c'^ und zwar etwas schwächer als früher c^. (Sollte nicht der frühere Ton selbst gewesen sein? Die ungewohnten subjectiven Töne werden selbst von sehr musikalischen Personen wegen der milden Klangfarbe leicht eine Octave zu tief geschätzt; bei ver- ringerter Stärke kann dann wol ein solcher Ton feiner, heller und damit höher scheinen, wodurch die richtige Höhenschätzung angebahnt ist.) Zaüfal fand das Trommelfell mehr als gewöhnlich senkrecht. Kürzlich widmete Uebantschitsch solchen Refliexwirkungen zwischen verschiedenen Sinnen eine besondere Untersuchung (Pflü- ger's Arch. XXX, S. 129 f.). Er führt auch die Einwirkung von Ohrerkrankungen und selbst isolirten Gehörsreizen auf die Seh- schärfe, wofür er Versuche beibringt, auf Vermittelung des Trige- minus zurück und glaubt, dass dieser überhaupt mit allen Sinnen in solcher Reflexverbindung stehe. Zur Übersicht S. 169 das. wäre noch zu fügen, was Haeless in Wagner's Handwb. d. Phys. IV, S. 420 über „den Akusticus und seine Sympathien erwähnt —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21983161_0001_0444.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)