Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![er nennt sie öiijiraren i n. Da nicht in allen Fällen von Morbus Addisonii die Nebennieren anatomisch verändert sind, so hat man vielfach den Versuch gemar.-ht, die Erkrankung als von anderen localen Veränderungen, so l>c8onders von patho- logischen Zuständen des Hympathicus und der Sympathicusganglien abhängig hinzu- stellcn, doch reichen die bisher erhobenen Befunde nicht für eine solche Deutung hin. Dass in einer kleinen Minderzahl von Fällen die Nebennieren unverändert erschienen sind, kann, selbst wenn die betreffenden Fälle als richtig diagnosticirt waren (was sicherlich nicht immer der Fall war), nicht als Beweismittel gegen die pathogene Be- deutung der Nebennierendegeneration verwerthet werden, da auch eine scheinbar nor- male Nebenniere abnorm functionirt haben kann. Entzündliche und degenerative Veränderungen in den Semilunarganglien oder auch in anderen Theilen des Sympathicus, sowie in den Intervertebralganglien sind bei Morbus Addisonii mehrfach beobachtet und beschrieben worden. Sie lassen sich durch die Annahme einer Fortleitung der Entzündung und Degeneration von den Nebennieren auf die genannten Theile erklären. Daraus zn schliessen, dass der Mor- bus Addisonii von einer Erkrankung des Sympathicus und nicht der Nebennieren abhängig sei, ist insofern nicht hinlänglich begründet, als die Nebennierenerkrankung daneben thatsächlich besteht und eine Nervenerkrankung doch nur in dner Minderzahl von Fällen nachgemesen ist. Manässe fand an Präparaten, die lebenswarm in Lösungen von chromsauren Salzen verbracht und darin gehärtet waren, dass die Nebennierenzellen in innigste Be- ziehung zu den Venen treten, d. h. frei in das Lumen der Venen hineinragen und dass in den Gefässen, insbesondere den Venen, eine eigenartige hyaline Substanz sich vor- fiudet, die sich in chromsauren Salzen ähnlich bräunt wie die angrenzenden Parenchym- zellen. Es ist danach möglich, dass von den Zellen eine eigenartige Substanz an da.s Blut abgegeben wird. Es ist indessen zu bemerken, dass diese Substanz auch in Arterien vorkommt. In Alkoholpräparaten ist sie nicht nachweisbar. Als ein pathologischer Zustand, der durch Ausfall einer Drüsenfunction ver- ursacht wird, sind auch ]cne abnormen Erscheinungen im Bau und Function des Körpers anzusehen, welche durch die Kastration, d. h. durch die Entfernung der Ge- schlechtsdrüsen verursacht werden. Werden die Ovarien nach eingetretener Geschlechts- reife entfernt, so hören die menstruellen Blutungen meist sofort, selten erst nach längerer Zeit auf. Der Geschlechtstrieb und das Wollustgefühl nehmen meist ab, können aber auch erhalten bleiben. Der Rest des Genitalapparates erleidet eine Rückbildung, die vornehmlich am Uterus sich geltend macht. Von nervösen Er- •scheinungen stellen sich am häufigsten Wallungen mit Hitzegefühl und Röthung der Haut, namentlich des Gesichts, oft verbunden mit Schweissausbrücheu ein, und zwar namentlich in der ersten Zeit nach der Kastration. Die Gemüthsstimmung bleibt oft unverändert oder wird heiterer, uamentlieh wenn durch die Kastration die Frauen von schweren Leiden befreit werden. Zuweilen stellt sich auch gedrückte, melancholische Stimmung ein. Werden die Drüsen schon in der Kindheit exstirpirt oder zerstört, so pflegt sich der Körperbau durch stärkere Entwickelung der Musculatur, durch Aenderung der Ausbildung des Beckens und durch Ausbleiben der Entwickelung der Brüste dem männlichen Typus zu nähern. Kastration beim Manne bewirkt keine erheblichen Aenderungen des Körperbaues. Werden dagegen Knaben kastrirt, so nähert sich der Körperbau in mancher Hinsicht dem weiblichen. Es findet eine gesteigerte Fettablagerung namentlich am Bauche statt, während die Museulatur nur schwach entwickelt ist, die äusseren Genitalien bleiben in der Entwickelung zurück, die Prostiita verkümmert, die Enwickelung von Bart- und Schamhaaren bleibt aus. Der Kehlkopf bleibt klein, und die Stimme ist knabenhaft. Den geistigen Functionen fehlt es au Energie und Kraft. Bei kastrirten Hirschen bleibt die Entwickelung des Geweihes aus, bei Hähnen verkümmern der Kamm, die Bartläppchen und Ohrscheiben, während das Fcderkleid •sich lebhafter entwickelt (Sellhkim). Nach White, Kuuiy, Küm.mel, Brüns | und Anderen bat die Kastration bei ausgewachseueu Thieron eine Verkleinerung der Prostata zur Folge, und es soll sich auch bei alten Männern, die an iProstatahy|)ertrophie leiden, eine Verkleinerung](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0116.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


