Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
121/818 page 105
![Manche Krankheiten, wie z. B. Typlins abdominalis, Pneninonie, Masern, Recurrens etc., sind durch eine typisclie Temi)eratnrcurve charakterisirt, andere, wie z. B. Pleiirititis, Endocarditis, Di])htherie, Tuberkulose, Phlegmone etc., zeigen keinen tyi)ischen Fieberverlauf. Die Erhöhung der Körpertemperatur im Fieber ist zunächst auf eine Steigerung der W ä r m e r o d n c t i o n durch Steigern n g der chemischen Umsetzungen im Körper znrückznführen. Der respiratorische Gas Wechsel, die Ausscheidung von Kohlen- säure (Liebermeister, Leyden), die Aufnahme von Sauerstoff (Zunz, PTnkler) sind erhöht, ein Beweis, dass die Verbrennungsvorgänge und damit auch die Wärmeproduction gesteigert sind. Zugleich ist auch die Ausscheidung der stickstoffhaltigen ßestand- theile des Harnes (Harnstoff', Harnsäure, Kreatinin) erhöht, und zwar durchschnittlich um 70—lOO®/,,, unter Umständen sogar bis aufs Dreifache. Es ist sonach auch der Zerfall der eiweissartigen Substanzen des Körpers, des Organeiweisses, gesteigert, und zwar schon in der Latenzperiode des Fiebers (Naunyn). Die Steigerung der Wärmeproduction ist bei den einzelnen P^iebern sehr verschieden, erreicht aber im Allgemeinen nicht jene Grade, die man durch starke Muskelaction und durch Ueberfütterung mit Eiweiss erreichen kann. Sie ist am höchsten zur Zeit des initialen Schüttel- frostes, indem hierbei heftige Muskelcontractionen die Wärmebildung erhöhen. Die zweite Ursache der Erhöhung der Eigenwärme ist die mangel- hafte Wärmeabgabe. Auf der Höhe des Plebers giebt der Fiebernde zwar im Allgemeinen mehr Wärme ab als der Gesunde, allein es reicht diese Wärmeabgabe nicht hin, um den Ueberschuss von Wärme weg- ziischaff'en. Die Wärmeproduction ist continuirlich gesteigert, die Wärme- abgabe ist unregelmässig. Im Initialstadium sind die Hautgefässe zufolge Ei'regung der Vasomotoren contrahirt, die Haut blass, die Wärmeabgabe gering, unter Umständen sogar geringer als in der Norm. Fieberl'rost tritt dann auf, wenn durch Contraction der peripheren Arterien die Blut- und damit auch die Wärmezufuhr zu den Haut- nerven plötzlich vermindert Avird, während im Innern die Tempei-atur steigt. Im zweiten Stadium des Fiebers wii-d zwar die Haut oft heiss und ist geröthet; es treten ferner bei einigen Krankheiten auch Schweisse auf, allein die dadurch erzielte Erhöhung der Wärmeabgabe ist nicht hinreichend zur Erniedrigung der Temperatur auf die Norm. Die erhöhte Reizbarkeit der Vasomotoren oder die mangelhafte Erreg- barkeit der Vasodilatatoren (Heidenhain, Naunyn, Senator) erhält sich auch in dieser Zeit noch und hat zur Folge, dass die Haut- temperatur erheblicli schwankt, und danach auch die Wärmeabgabe. Die Haut ist bald blass und kalt, bald roth und heiss, und es können die Hände kalt sein, während der Runi])f heiss ist. Es arbeiten danach die Regulationsvorrichtungen der Wärmeabgabe fehlerhatt. In der Eiitfiebcriingsperiode ändert sich das Verhältniss der Wärmeabgabe zur Wärmeproduction zu Gunsten der ersteren. Die Hautgefässe erweitern sich, die von reichlichem Blut durchströinte Haut giebt reichlich Wärme ab, und bei kritischem Abfall des Piebers stellen sich meist profuse Schweisse ein.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0121.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


