Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![Die Ursache des Fiebers kennen wir genauer nicht, doch lässt sich so viel sagen, dass das Fieber meistens die Folge der Auf- nahme eines schädlichen Agens in die Säftemasse des Körpers ist. In manchen Fällen stammt dieses schädliche Agens nachweislich aus einem örtlichen Herde, z. V>. aus erysipelatösen und phlegmonösen Entzündungsherden der Haut. Experimentell lässt sich Fieber durch sehr verschiedene Proceduren, z. B. durch Infusion fremd- artigen Blutes in das Gefässsystem eines Versuchsthieres, durch Ein- spritzung in Zersetzung begriffener thierischer oder vegetabilischer Substanzen (Billroth, Weber) und durch zahlreiche Infectionen hervor- rufeii. Beim Menschen sind es namentlich die Infectionskrank- heiten, welche wir als den Effect eigenartiger, im Körper sich ver- mehrender Mikroparasiten ansehen, bei denen Fieber auftritt. Wahrscheinlich ist, dass die im Organismus sich vermehrenden Mikroparasiten theils direct, theils durch Bildung ungeformter Fermente den Gewebszerfall steigern, und dass zugleich Stoffe entstehen, welche nach Art von Giften auf das Nervensystem einwirken. Diese Ein- wirkung kann man sich so vorstellen, dass einestheils durch Erregungs- zustände die Thätigkeit der Muskeln und Drüsen und damit auch der wärmebildende Stoffwechsel erhöht wird, dass andererseits durch mangelhafte und gestörte Function der Schweissnerven sowie der Vasomotoren die Wärmeabgabe hinter der Wärmeproduction zurück- bleibt, dass zwar der Organismus die Temperatur noch zu reguliren versucht, aber zufolge der Störungen in den Regulationsvorrichtungen sie nicht mehr auf der normalen Höhe zu erhalten vermag. Welcher Autheil an der Erhöhung der Köi'pertemperatur der directen Ein- wirkung der Bakterien und der von ihnen gebildeten Fermente, welcher dem durch Nervenerregung gesteigerten Stoffwechsel sowie der Störung der Wärmeabgabe zufällt, ist nicht zu bestimmen und ist sicherlich in den einzelnen Fällen wechselnd. Dass unter Umständen Veränderungen im Nervensystem ohne Verunreinigung der Gewebssäfte genügen, eine fieberhafte Temperatursteigerung zu verursachen, dafür spricht, dass Fieber bei epileptischen Anfällen, bei Agitatiouszustäuden im Verlaufe der progressiven Paralyse, nach heftigem Schreck, nach Einführung eines Katheters in die Harnblase etc. auftreten kann. Nach Unter- suchungen von Richet, Aronsohn und Sachs kann man bei Thieren durch einen Stich, welcher ausser der Hirnrinde auch das Cor])us Striatum trift't. bedeutende Erhöhung der Körpertemperatur mit Steige- rung des respiratorischen Gaswechsels und tler Stickstoffirusscheidung (Aronsohn und Sachs) erzielen, und das Nämliche lässt sich auch durch elektrische Reizung (Aronsohn, Sachs) der genannten Hirn- theile erreichen. Immerhin sind Fieber, welche lediglich auf nervösen Störungen beruhen, selten und treten gegenüber den Infection.sfiel)ern ganz in den Hintergrund. Mit der Erböhung der Temperatur im Fieber ist meist auch eine Bcselilcunigimg der Pulsfrequenz verbunden, doch kann die Wirkung der Wärmeerhöhung durch Erregung des Vagus (Basilarmeningitis) eiheblich modificirt, die Pulszahl vermindert werden. Der Puls ist bald voll und gross, bald zufolge mangelhafter Herzcontractionen leer. Die Schwächung der Contractionen des Herzmuskels hängt theils von der anhaltenden Höhe der Temperatur, theils von schädlichen Sub- stanzen ab, welche durch den krankhaften Process entstehen, der he-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0122.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


