Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![übergeführt werden und dort zu Grunde gehen oder ausgeschieden werden. Es lässt sich indessen aus diesem Befunde in keiner Weise der Schluss ziehen, dass diese Phagocytose eine Schutzwehr gegen die Verbreitung der Bakterien in der Lymphe und im Blute bildet, indem gerade in jenen Fällen, in denen eine Verschleppung der Bakterien durch das Blut ausbleibt, auch die Phagocytose vermisst wird, während umgekehrt ein Uebertritt der Bakterien in das Blut und eine Vermehrung derselben innerhalb der Blutbahn sehr häufig von Phagocytose begleitet resp. gefolgt ist. Es ist eben auch hier wieder die Phagocytose eine secundäre Erscheinung, welche dann ein- tritt, wenn Bakterien oder auch Protozoen im Blute vorhanden sind, welche, blanden Staubkörpern ähnlich, ihre Aufnahme in den Leib der Leukocyten nicht zu hindern vermögen, resj). anlockend auf die Phago- cyten wirken. Sind Bakterien von den Zellen aufgenommen, so gehen sie ent- weder zu Grunde oder vermehren sich auch noch innerhalb der Zeilen, je nach ihren Eigenschaften und dem Zustand, in dem sie sich zu der Zeit der Aufnahme befanden. Die Kräfte, welche die Entwickelung der Bakterien im Blute zu hindern vermögen, sucht die Mehrzahl der Autoren ebenfalls in der Anwesenheit bakterieiifeindliclier chemischer Substanzen, die zu den Eiweisskörpern gehören sollen und danach als schützende Ehveiss- körper oder Alexine (Büchner) oder auch als Myko so eine (Hankin) bezeichnet werden. Emmerich und Büchner nehmen an, dass diese Alexine des Blutes enzymähnlich wirkende Eiweisskörper darstellen und nennen sie danach auch Enzyme, eine Anschauung, die auch von Seiten anderer Autoren Zustimmung gefunden hat. Baumgarten und Walz, sowie A. Fischer bestreiten dagegen das Vorhandensein von chemisch wirksamen Schutz- körpern im Blute und nehmen an, dass die natürliche Immunität der Gewebe und des Blutes gegen bestimmte Bakterien darauf beruhe, dass die Bakterien nicht die für ihre Entwickelung und Vermehrung nöthige chemische Zusammensetzung finden. Soweit sich Schlüsse aus dem Verhalten des menschlichen und thierischen Organismus bei Infectionskrankheiten ziehen lassen, ist anzu- nehmen, dass der Mensch bestimmte schützende chemi- sche K ö r p e r d. h. A1 e X i n e i m B1 u t e i m m e r b e s i t z t, so nament- lich gegenüber Bakterien, die nie oder nur ausnahmsweise ins Blut übergehen, dass andere dagegen erst im Verlaufe einereiu- ge trete neu Infection sich bilden, so dass erst nach einem ge- wissen Verlauf der Infection eine Hemmung der Bakterienentwickelung durch bakterienfeindliche Gifte sich einstellt. Zu Gunsten einer solchen Annahme s])richt, dass manche Bakterien (Typhusbacillen, Cholera- s])irillen, Eiterkokken) zunächst unter Erhaltung ihrer Virulenz durch das strömende Blut im Körper verschleppt werden, dann aber an Virulenz Einbusse erleiden und schliesslich absterben. Der Schutz, welchen die Alex ine des Blutes dem Organismus gewähren, ist ein nur auf bestimmte Infectionen beschränkter, d. h. auf jene Infectionen, bei welchen die Bakterienvermehrung stets eine örtlich begrenzte bleibt, oder bei welchen wenigstens die verschleppten Bakterien eine erhebliche Abnahme ihrer Virulenz erkennen lassen. Gegenüber manchen Infectionen scheint die degenerative, auf die Bak- terien wirkende Kraft des Blutes ganz zu fehlen oder, falls sie vor-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0132.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


