Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![tritt sehr häufig auch eine Veränderung des Blutes ein, welche zu Stase und zu Gerinnung desselben in Capillaren sowohl als in Venen und Arterien und damit zur Aufhebung der Circulation führt. Ob eine gegebene Scliädlichkeit Nekrose des Gewebes erzeugt, hängt dabei nicht nur von deren Beschaffenheit und Stärke ab, sondern wesentlich auch von dem momentanen Zustande des Gewebes. Ist ein Gewebe durch längere Zeit andauernde mangelhafte Circulation, oder in Folge von allgemeinem Marasmus, von Il3'drämie, von Veränderung der Blutmischung etc. in seiner Ernährung bereits herabgesetzt, so stirbt dasselbe weit leichter ab, als wenn es zuvor normal war. Bei heruntergekommenen Typhuskranken genügt oft ein verhältnissmässig leichter Druck, z. B. über dem Trochanter, dem Ellbogen, dein Kreuz- bein, der Ferse etc., um ein brandiges Absterben der Haut und des subcutaiien Gewebes herbeizuführen. Solche Nekrosen werden als marantische Nekrosen oder als marantische Gangrän und als I)e- cuhitiis oder Decubitalnekrose bezeichnet. Für den Verlauf der Nekrose, d. h. für die an die Nekrose sich anschliessenden Gewebsveränderungen, ist sowohl die Beschaffenheit des Gewebes, als auch der Sitz desselben, die Art des Absterbens, so- wie die Ursache der Nekrose von Bedeutung. Von grossem Einfluss ist ferner der Gehalt der Gewebe an Blut und Gewebsflüssigkeit, ferner der Zutritt von Luft und von Fäulnissfermenten. Nicht bedeutungslos sind auch Veränderungen der Gewebe, die der Nekrose vorausgegangen sind, wie z. B. Verfettung, Entzündung, Hämorrhagieen etc. Die Folge der Nekrose eines Gewebsahschnittes ist immer eine mehr oder minder hochgradige Entzündung in der Um gebun g (Fig. 29/' u. Fig. 30 e S. 175 u. 176). Sie wird am intensivsten, wenn in den nekrotischen Geweben Zersetzungsprocesse sich entwickeln. Durch die Ausbildung einer Entzündungszone wird der nekrotische Herd von der Umgebung abgegrenzt, sequestrirt und isolirt: man be- zeichnet daher die Entzündung als eine deiuarkirende oder sequestrirende und das losgelöste todte Gewebsstück als Se- quester. Genaueres über diese Eutzüudungsvorgänge ist im siebenten Abschnitt zu finden. Unter den Ausgängen der Nekrose kann man, falls man beson- dere Complicationen, wie z. B. die Entwickelung specifisch reizender Stoffe, unberücksichtigt lässt, fünf Hauptformen unterscheiden. Bei der ersten wird das todte Gewebe durch Resorption oder durch Los- stossen von der Oberfläche entfernt und wieder durch normales Gewebe ersetzt (Regeneration). Bei der zweiten wird das todte Gewebe ebenfalls entfernt, aber statt eines normalen Gewel)es bildet sich nur Bindegewebe, sogenanntes Narben ge webe, das den Defect ganz oder nur theilweise deckt. Bei der dritten wird das nekro- tische Gewebe nach aussen abgestossen oder aufgelöst (Bildung von Magengeschwüren durch Verdauung abgestorbener Theile), der dadurch gesetzte Defect aber nicht wieder ersetzt; es bleibt ein Geschwür. Im vierten Falle wird das nekrotische Gewebe theilweise resorbirt, ein Theil Ideibt als eine sc(iuestrirte nekrotische Masse, die nicht selten s])äter verkalkt, liegen nnd wird durch Bindegewebe eingekajjselt. Der fünfte Ausgang ist der in Cyst enbildun g. Dabei wird das todte Gewebe resorbirt, an seine Stelle tritt aber nur zum Theil, und zwar nun an der Reripherie, Bindegewebe. Im Uebrigen wird der durch die Resori)tion frei werdende Raum mit Flüssigkeit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0202.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


