Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![Blut der Mutter und dem Fötus behindert wird. Xac-h <ler Geburt kann Sauerstoffmangel dadurch entstehen, dass sich der Lungenathmung Hindernisse entgegenstellen, oder flass das Kind selbst zu schwach ist, um durch Erweiterung des Thorax, d. h. durch Kespirationsbe- wegungen der Lunge hinlänglich Luft zuzuführen. Wird die Zufuhr von Sauerstoff vollkommen aufgehoben, etwa dadurch, dass in die Luftwege statt Luft irgendwelche Flüssigkeit, z. B. Wasser, eindringt, oder dass die Luftwege verschlossen werden, so geht das betreffende Individuum in kürzester Zeit an Sauerstoff- mangel, an Erstickung oder Suifocation zu Grunde. Lässt man Thiere in einem vollkommen geschlossenen Raume, so tidtt der Tod ein. so- bald der Sauerstoff der Luft nur noch 2 bis 3 \'olum])rocent der Luft (statt 20,8 Vol.-Proc.) beträgt (Cl. Bernard, P. Bert). Ist die Sauerstoffäufnahme nicht ganz aufgehoben, sondern nur hochgradig herabgesetzt, wie es z. B. bei Kohlenoxydgasvergiftung, bei welcher die feste Verbindung des Kohlenoxydgases mit dem Hämo- globin die Aufnahme von Sauerstoff durch die Blutköri)erchen ver- hindert, der Fall sein kann, so erfolgt der Erstickungstod erst nach Tagen. Bei allmählich zunehmender Behinderung des Sauerstoffzu- trittes und bei Anhäufung von Kohlensäure im Blute, wie sie z. B. bei Vei'engerungen des Kehlkopflumens durch entzündliche Ausschwitz- ungen und bei Compression der Luftröhre durch Kropfe Vorkommen können, bei Herabsetzung oder Behinderung der Lungenthätigkeit etc. stellen sich Atliemnoth, Cyaiiose, Krämpfe und Trübungen des Bewusst- seins ein, Zustände, welche man als Asphyxie bezeichnet. Ist die Sauerstoffzufuhr nur in geringerem Grade, aber lange Zeit anhaltend herabgesetzt, ein Ereigniss. das z. B. bei Verminderung der Blutkör])erchen, bei OligoCythämie eintreten kann, so stellen sich in den Geweben des Organismus Degenerationsvorgänge ein. welche namentlich durch Steigerung des Eiweisszerfalles und durch Verfettung der Organe gekennzeichnet sind und nicht nur Krankheit, sondern unter Umständen sogar den Tod lierbeiführen können. Wird dem Organismus alle Nahrung und alles Wasser entzogeiK so tritt, da Eiweiss und Fett gleichwohl zersetzt wei'den. eine rasche Abnahme des Körpergewichtes und schliesslich der Tod ein. Nach Lehmann, Müller, Munk, Senator und Zuntz sinkt im Hunger die Grösse der Oxydationsprocesse nicht unter den Werth, welcher bei demselben' Individuum in nüchternem Zustande bei gleichem Verhalten beobachtet wird, und es findet ein starker Eiweissumsatz und starke Wasserabgabe statt. Bei Thieren erfolgt der Tod bei einem Verlust von ungeföhr 40% des Körpergewichtes, wobei fast die Hälfte des Verlustes auf Rechnung des Muskelschwundes kommt. Am stärksten schwändet das Fett, von dem bis zu !>3®'o verloren gehen kann, sodann kommen, nach Prozenten ihrer ursprünglichen Massen geordnet: Leber, Milz, Hoden, Muskeln, Blut. Darmrohr. Haut, Nieren, Lunge. Den geringsten Gewichtsverlust zeigen das Herz, das Nervensystem und die Knochen, doch findet nach Untersuchungen von Lehmann, Müller. .AIunk, Senator und Zuntz ein Abschmelzen vom Knochengewebe während des Hungers statt, und es wird danach bei Wasserzufuhr eine vermehrte Menge von Phosphorsäure und Kalk im Harn abgeschieden.. Im Blute nehmen die farblosen Blutkör])crchen sehr bald au Zahl ab (Luciani). die rothen Blutkörperchen können dagcg(m in eiiiei' gegebenen Blufmeuge an Zahl vermehrt sein. Die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


