Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![koinnien entsprechende Erscheinungen auch bei Infectionen durcli Pneumokokken, Tripperkokken, Typhusbacillen. Coli- bacillen, Pestbacillen u. a. vor. Gerathen Bakterien secundär in die mit Schleimhaut ausgekleideten Kanäle des Körpers, z. B. in die Respirationswege oder in die alileiten- den Harnwege, so können sie sich auch innerhalb dieser Kanäle yerbreiten und den krankhaften Process übertragen. Ebenso können sie sich auch innerhalb der grossen Körperhöhlen, im Bauchrauin. in der Pleurahöhle, in dem Subarachnoidalraum verbreiten. Befindet sich eine Phau zur Zeit der lufection im schwangeren Zustancle, so können manche Bakterien (Milzbrand-, Rauschbrand-, Rotz-, Typhus recurrens-, Abdominaltyphus-, Pneumonie-, Eiterbakterien) auf den Fötus über- gehen. Den bisher beschriebenen Verlauf der Infectionen kann man als Grundtypus derselben anseheu, und es verlaufen auch sehr viele Infectionen nach den gegebenen Schemata (Abdominaltyplms, Pyämie, Erysipel, Pest, Diphtherie, Tetanus, Tuberkulose, Syphilis, Lepra, Rotz, Aktinomykose etc.); allein es kommen auch vielfach Abweichungen von diesen Schemata vor. Zunächst ereignet es sich nicht selten, dass bei Infections- krankheiten, die im Allgemeinen nach den geschilderten Typen verlaufen, der Ort des Beginns der Infection nicht nachweisbar ist. indem an der Eintrittspforte entweder keine Veränderungen auftreten oder indem die Veränderungen wieder verschwinden. Man ptlegt solche Formen als kryptogenetische Infectionen zu bezeichnen und lyinphogene und hämatogene Formen zu unterscheiden. Sodann kommt es aber auch bei manchen Infectione» typisch vor, dass primäre Localisationeu des Krankheitserregers nicht nachweisbar sind, so dass allgemeine Krankheitssymp10me auftreten, I3evor eine örtliche Er- krankung nachweisbar ist, und die später auftretenden krank- haften Gewebsveränderungen mehr den Charakter einer secundären Localisation des Krankheitsgiftes bieten. Es kommt dies namentlich bei einer Anzahl von Infectionskrankheiten vor, deren Ur- sache uns unbekannt ist, z. B. bei Scharlach, bei Pocken, bei ^Masern, doch wissen wir auch bei manchen Infectionen, deren Erreger uns be- kannt sind, nicht anzugeben, an welcher Stelle die erste Vermehrung der Bakterien stattfindet. So wissen wir von den Spirillen des Typhus recurrens nur, dass sie zur Zeit der Fieberanfälle in grossen Mengen im Blute zu finden sind, es ist uns aber der Ort der Vermehrung der- selben nicht bekannt. Nicht selten gesellt sich zu einer bereits bestehenden Infection eine zweite, seeundäre Infection. In manchen Fällen ist das Zu- sammentreffen ein vollkommen zufälliges, in anderen Fällen haben die duich die erste Infection gesetzten anatomischen Veränderungen eine örtliche Disposition zu der neuen Invasion geschaffen. Zu der ersten Gruppe wird man z. B. den Fall zählen müssen, in dem ein an Lungen- tuberkulose Leidender an crou])öser Pneumonie erkrankt, während eine Infection mit Eiterung und se])tische Intoxication verursachenden Kokken, wie sie bei Wundinfectionen Vorkommen, im Verlauf von Typhus. Di])htheric, Scharlacb, Dysenterie, käsiger ulceröser Tuberkulose etc. wohl dahin aufzufassen ist, dass die örtliche Gewebszerstörung das Ein- dringen der an die betreffenden Stellen gelangten Bakterien begünstigt bat. Nach den l>ei den letzten über Europa hinziehenden Infiuenza- epidemieen erhobenen Befunden ist auch die luffueiiza eine Krankheit,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


