Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![Pathologisclie Zustände dse Nervensystems. Homo delinquens. Gl auch eine geringere Ausbildung der Intelligenz und des bewussten Seelenlebens zu Gunsten eines stark ausgebildeten Trieblebens bedingen. Benedikt glaubte sogar den Verbrechern eine besondere Configuration der Hirnwindungen zuerkennen zu dürfen, die sich dem Typus der Windungen bei den Raubthieren nähern sollte. Die Ansichten von Lombroso und Benedikt haben von ver- schiedenen Seiten Widerspruch erfahren und sind als unrichtig bekämpft worden, und es ist wohl zweifellos, dass es eine durch bestimmte ana- tomische Merkmale gekennzeichnete Abart des Menschengeschlechts, die man als Homo delinquens dem Homo sapiens gegeniiberstellen könnte, nicht giebt. indem alle die als charakteristische Verbrechermerkmale angegebenen somatischen Eigenthümlichkeiten, wie z. B. Raubthiertypus der Grosshirnwinduugen, gering entwickeltes Stirnhirn, fliehende Stirn, Massigkeit des Unterkiefers, Prognathie, Asymmetrie des Schädels, starkes Vorragen des Arcus sui)erficialis und des Arcus frontalis, patho- logische Schädelformen etc. zwar bei Verbrechern relativ häutig sind, jedoch auch häufig genug bei vollständig normalen Menschen Vorkommen. Nicht zu bezweifeln ist dagegen, dass die Neigung zum Verbrechen sehr häufig auf eine angeborene Anlage, die in der besonderen Organisation des Centralnervensystems begründet ist, zurückzuführen ist, dass in dieser Hinsicht der Verbrecher dem Geisteskranken nahe steht, dass danach auch Geisteskrankheit, z. B. Epilepsie, Hysterie, bei Verbrechern öfters vorkommt. Die pathologischen Hirnfunctionen können bei patho- logisch veranlagten Individuen sich primär, d. h. ohne dass äussere Einwirkungen einen Antheil an der Störung haben, einstellen, so dass der Betreffende schon in der Zeit der Entwickelung und des Wachs- thums oder auch erst später ohne äussere Veranlassung pathologische Hirnfunctionen zeigt. In anderen Fällen sind es dagegen äussere Ein- wirkungen, geistige Arbeit, Kummer, Sorge, psychische Erregungen, Krankheit etc., welche zum Ausbruch der eigentlichen Krankheiten, d. h. zum Auftreten pathologischer Hirn- oder Rückenmarksfunctionen Ver- anlassung geben. Es ist also in diesen Fällen in der Anlage nur eine abnorme Schwäche, eine Disposition zur Erkrankung des Ceutralnerven- systems gegeben, so dass geringfügige Einflüsse, die einen normal Ver- anlagten nicht merkbar beeinflussen würden, die krankhaften Erschei- nungen auslösen. Da manche Einwirkungen, wie Krankheiten, In- fectionen, psychische Erregungen, unter Umständen auch Individuen, die man als normal beanlagte ansehen muss, geisteskrank machen können, so ist klar, dass in vielen Fällen nur schwer, oft gar nicht zu bestimmen ist, welcher Antheil an dem Zustandekommen einer Krankheit des Centralnervensystems den inneren Ursachen, der Anlage, welcher den äusseren Einflüssen zukommt. An den peripherischen Nerven ist es namentlich das Bindege- webe, welches nicht selten aus inneren Ursachen ein pathologisches Wachsthum eingeht, so dass theils diffuse Verdickungen (Fibromatose der Nerven) entstehen, welche theils in den Verlauf von grösseren init dem Messer verfolgbaren Nerven eingelagert sind, theils den feinen Nerven aufsitzen, oft in grosser Zahl über ganze Nervengebiete ver- breitet, zuweilen sogar im Gebiet sämmtlicher ])eripherischer Nerven auftreten und mit besonderer Vorliebe in der Haut (multiple Haut- fibrome) sich entwickeln. In einzelnen Fällen findet gleichzeitig mit der Fibromatose der Nerven auch eine Zunahme der Nervenfasern statt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0077.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


