Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![Dura inatcr, der Pia inater und der Orbita sowie in die hinteren Bronchialvenen. Findet sich in den Septen des Herzens eine Lücke, so kann es auch Vorkommen, dass im Blute circulirende Körper von einer Herz- hälfte in die andere gerathen und dadurch zu einer gekreuzten oder paradoxen Embolie führen. § 21. Die Körper, welche zur Metastasirung gelangen, lassen sich zweckmässig in sechs Gruppen unterbringen, wobei theils die Her- kunft, theils die Beschaffenheit der verschleppten Körper und die Wirkung der Metastase für die Eintheilung maassgebend sind. Die erste Gruppe wird durch unlösliche und zugleich leblose, aus feinsten Partikeln bestehende Substanzen gebildet, welche aus der Aussenwelt in den Organismus gelangt sind und welche man als Staub- körper bezeichnen kann. Die grosse Mehrzahl derselben kommt mit der Athmuugsluft in den menschlichen Organismus und dringt von der Lunge aus in dessen Gewebe ein. Ein geringerer Theil kann auch von unabsichtlich oder absichtlich gesetzten Wunden (Tättowiren) aus in die Gewebe Vordringen. Am häufigsten handelt es sich um Piuss. Kohlen- und Steinstaub, seltener um Metall-, Porzellan-, Tabak-, Haar- oder irgend welchen anderen Staub. Bei dem Tättowiren der Haut spielen neben Buss auch Zinnober und andere körnige Farbstoffe eine Rolle. Wie sich die Gewebe des Organismus gegenüber diesen Körpern verhalten, wird an anderen Stellen besprochen werden, an dieser Stelle sei nur erwähnt, dass dieser Staub theils frei, theils in Zellen einge- schlossen zunächst in den der Eintrittspforte nahen Geweben, weiterhin aber auch in den Lymphgefässen und in den Lymphdrüsen abgelagert wird. In letzteren kann er zeitlebens zurückgehalten werden, doch ist bei reichlicher Ablagerung die Möglichkeit gegeben, dass er von da aus weitergelangt, und zwar namentlich dann, wenn die Lymphdrüsen zufolge der massenhaften Ablagerung in Erweichung gerathen und in ihrer Umgebung Entzündung und Wucherung verursachen. Am häufigsten kommt es dabei zur Verschmelzung der Lymphdrüsen mit benachbarten Venen, so besonders am Lungenhilus, worauf schliesslich der Inhalt der Drüse bald rascher, bald langsamer in das Lumen des Gefässes hineiugeräth und vom Blutstrom weitergetragen wird. In der Lunge kann Staub auch direct in die Gefässwände eingelagert werden und allmählich bis in die Intima Vordringen. Sodann können von erweichten Drüsen aus Partikelchen auch von neuem in den Lymphstrom gerathen und, falls nicht in die Lymphbahn eingeschobene Lymphdrüsen sie zurückhalten, dem Blutstiom zugeführt werden. Denkbar ist auch, dass erweichende Lymphdrüsen direct in den Ductus thoracicus einbrechen. Wie zahlreiche Experimentaluntersuchungen ergeben haben, bleibt in die Gefässe eingedrungener Staub nur aus.serordentlich kurze Zeit in der Blntbahn, so dass selbst grosse Älengen, welche künstlich in eine Vene gebracht werden, in wenigen Stunden aus dem circulirenden Blute verschwinden. Die grösste Masse lagert sich zunächst in den Ca])illaren der Leber, der Milz und des Knochenmarks ab und ist dabei theils in lieukocyten eingeschlossen, theils frei, klebt alsdann jedoch der Innenfläche der Endothelzellen an. Nach kurzer Zeit beginnt auch schon ein Austritt der körnchenhaltigcn Leukocyten aus der Blutbahn, so dass sich der Staub mehr und mehr in dem Gewebe ansammelt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0092.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


