Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler.
- Ernst Ziegler
- Date:
- 1901-1902
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studirende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![zellen (Lubarsch) in die Bliitcircnlation und werden gewöhnlich nach den Lungenarterien und Capillaren verschlej)pt, doch können sie durch retrograden Transport auch in Venen, durch ])aradoxe Embolie in Arterien und Capillaren des grossen Kreislaufs gelangen. Veranlassung zu Embolie von Leberzellen und Knochenmarkriesenzellen geben trau- matische und toxische Schädigungen und Blutungen der betreffenden Gewebe. Placentarzellenembolieen in Form mehrkerniger Riesenzellen sind namentlich bei puerperaler Eklampsie beobachtet, kommen aber auch bei normalem Schwanger- schaftsverlauf (LeusdenJ vor. Bei krankhaften Zu.ständen der Intima des Herzens oder der Gefässe kön- nen auch degenerirte Endo- thelien, zerfallende degene- rirte G e w e b s in a s s e n des Bindegewebes der Intima, Klappen stücke und Aehnliches in dieGefässbahn gelangen. Bruch- stücke u n d T r ü m m e r von Blutkörperchen können sowohl ans hämorrhagischen Herden als auch aus den Gefässen selbst, inner- halb welcher das Blut unter dem Einfluss verschiedener Schädlichkeiten zerfällt, dem ßlutstrom sich bei- gesellen. Geronnene Blutmassen gerathen dagegen dann in die Circulation, wenn Throiiibeii (vergl. den vierten Abschnitt) d. h. in den Gefässen geronnene Blutbestaudtheile sich in toto oder in Bruchstücken loslösen. Das Schicksal der letztgenannten Substanzen ist zum grossen Theil abhängig von deren Grösse und physikalischer Beschaffenheit. Alle Stücke, welche das Lumen der Capillaren erheblich an Grösse übertreffen, bleiben im Gebiet der Arterienäste stecken (Fig. 2 a b) und führen hier meist zu Verstopfung derselben. Am häufigsten geschieht dies bei losge- schwemmten Thromben oder Bruchstücken von solchen, während die Fetttropfen gewöhnlich bis in das Capillarsystem gelangen und hier theils liegen bleiben, theils auch das Rohr passiren, um erst später an irgend einer anderen Stelle liegen zu bleiben. Da das Fett jeweilen zunächst in die Venen des Körpers gelangt und von da dem Herzen zugeführt wird, so häufen sich die Fetttropfen vornehmlich in den Capillaren der Lunge an (Fig. 3 h), gelangen aber weiterhin auch durch die Lunge hindurch in die Capillaren des grossen Kreislaufs, wobei sie namentlich in den intertubulären und glomerulären Capillargefüssen der Nieren (Fig. 4«b), z. Th. auch in den Capillaren des Gehirnes zur Be- obachtung gelangen. Capillare Fettembolieon verursachen nur, wenn sie in grosser Menge voihanden sind, nachweisbare Circulationsstörungen, können indessen in letzterem Falle zur Bilduug von Oedemen Veran- lassung geben. Weiterhin verfällt das Fett dem Stoffwechsel. Parenchymzellen l)leiben (sofern es sich nicht um Uebertritt kleiner lebender Zellen vom Charakter der Lymphoidzellen handelt) bei arte- rieller Verscblep])ung in den Capillaren oder kleineren Arterien stecken, und es tritt letzteres bei den liOberzellen namentlich dann ein, wenn sie in Gru])pen zusammenhängend in die Circulation gerathen. Am Fig. 4. Fettembolie der Niere (Flemm. öafr.). a GlomeruH mit Fett in den Capillaren. b Fetttropfeu in den intertubnlären Capillaren. Vergr. 100.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124388_0001_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


