Prophylaxe und Beseitigung des Trachoms in der k. u. k. österreichisch-ungarischen Armee / von Karl Hoor.
- Hoor, Karl.
- Date:
- 1893
Licence: Public Domain Mark
Credit: Prophylaxe und Beseitigung des Trachoms in der k. u. k. österreichisch-ungarischen Armee / von Karl Hoor. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
42/78
![— +2 — Behandlungsdauer von Einfluss sind, die in den Lehrbüchern selten erwähnt werden und gegen die doch häufig Verstössen wird, resp. die häufig ausseracht gelassen werden. Es ist dies in erster Linie die Diät der Trachomkranken. Ohne mich in weitere physiologische Reflexionen über den Stoffwechsel, oder in therapeutische Erörterungen über den Einfluss der Diät einzulassen, möchte ich nur hervorheben, dass ich es für zweckdienlich halte, die Trachomkranken im Spitale bestmöglichst zu nähren. Ich habe die Erfahrung, dass bei Kranken, denen die Diät aus irgend einem Grunde restringirt wurde, besonders bei solchen, die sich schon seit längerer Zeit im Spitale befanden, lymphatische Eruptionen am Auge sehr häufig auftraten, welche dann die Heilung bedeutend verzögerten. Ich meinerseits gebe den Trachomkranken meiner Abtheilung die grösste gestattete Kostportion, ausserdem Milch und dort, wo nicht gerade vehemente Entzündungserscheinungen vorhanden sind, auch Wem. Ein älterer — jetzt nicht mehr activ dienender — Kamerad, der mich einmal während einer kurzdauernden Unpässlichkeit substi- tuirte, strich meinen sämmtlichen Trachomkranken die Portionen, die Milch und den Wein und setzte sie auf „eingemachtes Kalbfleisch und Vs Obst und gab mir dann den wohlgemeinten Rath, ich möge meine Trachomkranken nicht so füttern, denn so brächte ich sie nie aus dem Spitale. Nun. ich glaube jedermann versichern zu können, dass unter 100 Trachomkranken kaum einer sich finden durfte, der nach einer 3-4monatlichen Spitalsbehandlung, selbst wenn er mit den auserlesensten Leckerbissen gefüttert würde, grosse Sehnsucht hätte, noch weiters in Spitalsbehandlung zu bleiben. Ein zweiter Umstand ist die Bewegung des Kranken rm Freien. Gehörige Bewegung in frischer Luft unterstützt die Behandlung wesentlich. Nachdem nun die meisten Spitäler über Gärten verfugen, so ist darauf zu achten, dass die Trachomkranken nicht den ganzen Tag über auf ihren Betten liegen, was sie mit Vorliebe cultiviren, sondern dass sie sich im Sommer und Winter gehörig im Freien bewegen. Um dies besser controliren zu können, exerciren die Trachomkranken meiner Abtheilung täglich mindestens zwei Stunden hindurch, und zwar von 7-8 Uhr morgens und von 2_ va Uhr nachmittags unter Commando von trachomkranken Unter- officieren, eventuell von Unterofficieren der Sanitätsabthenung an emem schattigen, geschützten Platze des Spitalgartens. Vom Exerciren duifen T]L wegbleiben, die von mir die schriftliche Erlaubnis Inezu haben. Abgesehen davon, .las, der Mann während dieses .werstundigen Exercirens sich im Freien aufhält und dabei gehörige Bewegung macht,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2164388x_0044.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


