Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Arzneiverordnungslehre für Studirende, Aerzte und Apotheker auf Grundlage des Deutschen Arzneibuches (Pharmacopoea Germanica Ed. III) sowie der übrigen Europäischen Pharmakopoeen und der Pharmacopoea of the United States / bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Date:
- 1891
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Arzneiverordnungslehre für Studirende, Aerzte und Apotheker auf Grundlage des Deutschen Arzneibuches (Pharmacopoea Germanica Ed. III) sowie der übrigen Europäischen Pharmakopoeen und der Pharmacopoea of the United States / bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
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![magistrale Verordiiimg von I’astillenl'ornielu ist zur Zeit in der arztlicheii Praxis noch wenig gebraucldich. Dagegen werden die in den ineisten Ajh)- theken vonatliigen kauflichen Pastillen aiis den Salzen einiger Mineral- quellen (Vichy, Enis), ferner aiis Saliniak, Soda viell'acli verwendet. Das Arzneibucli entlialt nur noch eine einzige officinelle Fonnel fiir Santonin- pastillen (init einein Gehalte von 0.025 g Santonin.) Die freindlandischen Pbannacopoeen, besonders Pli. Franc, und Ph. Anier. fiibren eine grossere Anzahl soldier Forineln, welche ini speciellen Theile liei den einzelnen Medicanienten initgetbeilt werden. Das Finzelgewicht der Pastille ist vom Arzneibucli auf 1.0 g norniirt. Die tecbnischen Details der Pastillenbereitung kann der Arzt bei etwaigen niagistralen Verordnungen getrost deni Apotlieker tiberlassen und sicli darauf bescliranken, den Gelialt der einzelnen I’astillen an Medicament, die Zalil der Pastillen und das Constituens auf deni Recejit anzugelieii. B e i s 1) 1 e 1 e: K- Trocliiscos e Magiiesii carboiiici 0.2 I K- Trocliiscos e lesinae .Jalapae 0.2 cum Saccharo No. 100. cum Pasta. Cacao saccliarata No. X. 1). S 1 D. S Rotnlae (Zuckeriilatzclien. Pastilles. Ph. Franc.) sind rundliclie, aus feinein. gescbinolzenem Zucker erlialtene Platzclien, welclie iiiit atlierischem Pfefferniinzbl iniiiragnirt (1 Th. 01. Menth. piper., 2 Th. Weingeist, 200 Th. Zuckerplatzclien) als Rotnlae Mentliae piperitae officinell sind. Die Zuckerjilatzcben werden in einer Glasstbpselflasclie init der Losung des atlierisclien Gels in Spiritus gescbiittelt. In gleicber Weise kbnnen ina- gistraliter auch andere atlierisclie Oele (01. Melissae, 01. Chainoniillae etc.) in Form von Rotnlae verordnet werden. Auch kann man Zuckerpastillen mit atherisclien Oelen iinpragniren lassen. 3. Pillen (Piluke). Bei dieser, nur zuin innerlichen Gebrauclie bestimmten Arzneiforin werden die Medicaniente mit Hilfe versclnedener fester, weiclier und fliissiger Ingredienzien in einen zalien Teig verwandelt, aus welchein sich leicbt Ktigelchen fornien lassen. Die Pillen werden aus der PHlenmasse niittels der Pilleninaschine liergestellt. Sie diirfen niclit zerfliesslich sein, bei langerer Aufbewalirung niclit zu hart werden, aber auch nicht auseinander- fallen, nicht aneinander kleben. Ini Magen oder Darnikanal soil die Pillen- masse leicht zergelien und die in ihr entlialtenen wirksamen Bestandtheile abgeben. Das Xornialgewicht der Einzeliiillen ist auf 0.1—0.15 g festgesetzt, woraus sich ergiebt, dass nur relativ kleine Mengen von Arzneikbrpern in einer Pille verordnet werden konnen. Grossere Pillen von 0.25—0.5 g nennt man Boli. Zur Herstellung von Pillenmassen kbnnen eine sehr grosse Anzahl von Stofien, man konnte sagen fast alle offieinellen ]\Iedicamente verwendet werden. Die ausseren Vorziige, welche uns zu der Wahl dieser Azneiform bestimmen konnen, sind: 1. Mbglichkeit zienilich exacter Dosirung; 2. vbllige Vernieidung unangenehmer Geschmacksempfindung; 3. compendibse Form und geringes Volumen der Einzeldose und die Mbglichkeit, den Kranken auf lange Zeitraume hinaus mit Arznei zu versorgen. Die richtige Composition von Pillenformeln erfordert eine geiiaue Kennt- niss der pliysikalischen und cbeniischen Eigenschaften der in Anwendung gezogenen Medicaniente und der Verlialtnisse, nach welchen die Mischung](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2192434x_0036.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


