Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Arzneiverordnungslehre für Studirende, Aerzte und Apotheker auf Grundlage des Deutschen Arzneibuches (Pharmacopoea Germanica Ed. III) sowie der übrigen Europäischen Pharmakopoeen und der Pharmacopoea of the United States / bearbeitet von Rudolf Boehm.
- Date:
- 1891
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Arzneiverordnungslehre für Studirende, Aerzte und Apotheker auf Grundlage des Deutschen Arzneibuches (Pharmacopoea Germanica Ed. III) sowie der übrigen Europäischen Pharmakopoeen und der Pharmacopoea of the United States / bearbeitet von Rudolf Boehm. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
62/512 page 48
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![Diejenigen Fiille, wo es sicli um die epiderniatische Aiiwendung niedi- camentdser Fliissigkeiten handelt, bediiifen kauiu einer allgenieineii Be- trachtung, insofern weder die Form der Verordnimg iioch die Methode der Application irgend etwas Charakteristisches darbieteii, was nicht schoii bei auderen Verorduungsformeii beriihrt worden ware. Hinsichtlicli dei' An- weudung einzelner Medicamente in Form von Biidern sei auf den speciellen Theil verwiesen. Die Injeetion medicaineiitoser Flussigkeiteii in das subcutaiie Zellgevvebe, in Gewebsparencliynie nnd serose Hbblen. Bei der subcutanen Oder hypodermatischen Injection wird das unter der Cutis gelegene, weitmaschige Zellgewebe als resorbirendes Organ in Anspruch geuommen. Die reich verilstelten ca])illaren Lympli- und Blutgelasse und die mit Gewebsdiissigkeit durchtrankten Saftniume dieses Gewebes, welche als die Wurzeln des Lymphgefasssystems angesehen werden, bieten in der That fiir die rasche Aufnahme gelbster Substanzen ausserordentlich guustige Bediugungen dar. Wenn man auch in neuerer Zeit so weit gegangen ist, selbst reguli- nisclies Quecksilber und in Wasser suspendirtes Calomel unter die Haut zu spiitzen, so muss man dock ini Allgemeinen die Methode auf tlussige Arzneiformen eiuschranken, wobei als Losungsmittel zwar in der Regel Wasser angewandt wird, nothigen Falls aber auch Spiritus, Aether, Chloro- form, Glycerin und fette Oele verwendet werden konnen. Bei den letzteren ist eine unmittelbare Resorption nicht zu gewartigen, und wenn trotzdem nach Injection von Phosphorbl bei Thieren nach relativ kurzer Zeit die All- gemeinerscheinungen dei' I’hosphorvergiftung sich einstellen, so darf man annehmen, dass nicht das Oel resorbirt worden ist, sondern vielmehr den Phosphor in Iiampfform an die resorbirenden Elemente abgegeben hat. Aether und Chloroform (liirften gleichfalls von der Injectionsstelle aus in Dampfform in die circulirenden Silfte iibergehen. Die gegenwartig in der arztlichen Praxis zu subcutanen Injectioneu allgemein gebrauchte Injectionsspritze (Pravaz’sche Spritze) besteht aus einem 5—6 cm langen, etwa 1 ccm Wasser fassenden und in Silber, Neu- silber Oder Hartgummi gefassten Glascylinder, in welchem der in eine an der Glaswand dicht anliegende Lederkappe cndende metallene Stempel durch Hill- und Ilerschieben beweglich ist. (Spritzen, deren Stempel in einem Schraubengewinde lauft -ursi)rungliches Modell vonPravaz] werden heute wenig iiiehr benutzt). Auf die obere Fassung des Cylinders wird die mit einem genau passenden Ansatz versehene Einstichnadel aufgesteckt, eine feine, oben lanzenformig scharf geschliffene Kantile aus Stahl, einer hohlen Nilhnadel vergleichbar. Die cylindrische Kolbenstange ist an einer Seite der Liiiige nach platt abgeschliffen und triigt hier eine Graduirung in 10 gleiche Theile, von denen jede wiederum durch eine feine, schraubenartige Canellirung an der Peripherie des Cylinders in 5 Theile getheilt wird. An dieser Canellirung ist eine kleine, scheibenfbrmige Schraubenmutter beweg- lich, welche, falls nicht die gauze Spritze entleert werden soil, an einer be- stimniten Stelle der Scala des Stempels eingestellt wird. Die geftillte und mit der Kaniile armirte Spritze fasst man zwischen Daumen und Mittelfinger der einen Hand; mit dem Daumen und Zeige- tinger der auderen Hand wird an der Injectionsstelle eine Hautfalte auf- gehoben, in welche man die Xadel mit einem raschen und sicheren Stoss in solcher Richtung einsticht, dass die Spitze nicht horizontal in das Ge- webe der Cutis eindringt, sondern diese durchbohrt und in das Unterhaut- zellgewebe gelangt. Nunmehr kann durch die Spitze des Zeigefiiigers der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2192434x_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)