Die Anatomie des Auges bei den Griechen und Römern / von Hugo Magnus.
- Magnus Hugo, 1842-1907.
- Date:
- 1878
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Credit: Die Anatomie des Auges bei den Griechen und Römern / von Hugo Magnus. Source: Wellcome Collection.
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![punkten stehen, doch einsthnniig der Ansicht zuneigten: es flösse vom Gehirn zum Auge ein femer Schleim, oder es ströme ein geistiges Fluidum aus der nervösen Centi-alsteUe dem Bulbus zu und diese körperhche oder geistige Materie vemittele die Empfindung des Sehens, so mussten sie durch diese lediglich auf aprioristischem Wege gewonnene Vorstellung nothwendig und unwillküi-lich zu der Annahme gedrängt werden: das den Verkehr zwischen Auge und Gehii-n vermittelnde Organ sei in germgerer oder grösserer Ausdehnung hohl. Diese Anschauung brachten sie dann auch in dem Namen zum Ausdruck, mit welchen sie den Nervus opticus belegten^ So trägt bei Democritus, bei Diogenes, bei den Hippoki-a- tikern der Sehnerv den Namen cpXsi];, ein Ausdi'uck, mit dem man gleich- zeitig auch die hohlen Adern belegte. In dem hippoki-atischen Buch de carnibus heisst es: „Das Sehen kommt auf folgende Weise zu Stande. Von der Haut des Gehirns geht eine Ader {({>Xi<]>) durch den Knochen zu einem jeden Auge. Durch diese beiden Adern wird das Feinste von dem Schleim des Gehirns dm-chgeseiht. Es beweist diese Stelle, dass die Hippokratiker ausgehend von der aprioristischen Annahme: es durchi-imie den Sehnei-v eine körperhche, mehr oder minder flüssige Materie, den Sehnerven für hohl hielten und ihn aus diesem Grunde mit einem Aus- druck belegten, der ohne ein Ternünus technicus für den Nerv zu sein, ledighch seine hohle, gangai'tige, den Adem ähnliche Beschaöenheit kennzeichnen sollte. Auch füi- pathologische Zustände suchte man diese Anschaimng zu verwerthen; so erklärt Diogenes 2: eine Entzündimg des von ihm genannten Nei*ven verhindere den Verkehr- des Gehii-ns mit der Aussenwelt, indem sie den Nerven unwegsam machet 1 Wenn der gi-osse Haller (Element, phys. T. V. Sect. H. p. 354) meint, die Ansicht der Alten: der Sehnerv sei dm-chbohit rühre daher, dass- man bei Dui-ch- schneidung des Sehnerven dessen Arterie durchschnitten und so fälschlich das Lumen der Aiierie für das des Nerven angesehen habe, so kann ich dieser An- nahme gegenüber mein Bedenken nicht unterdrücken. Schon der Umstand, das^ die Arteria centralis retinae nicht dem gesammten Stamm des nervus opticus eigen- thümlich ist, sich in dem intracraniellen Theil überhaupt nicht findet, ihr Lumen also bei Dui-chschnitten des Nerven in den fraglichen Gegenden fehlt, hätte die alten üntersucher von der Annahme: das Lumen der Arterie sei ein den Nerven seiner ganzen Länge nach bis ins Gehini durchlaufender Kanal, abbrmgen müssen. Und überdies ist das Lumen der Centraiarterie ein so unbedeutendes und kleines, dass in Hinblick auf dasselbe wohl kaum Jemand den Nerven, hohl nennen, oder als Gang resp. Kanal bezeichnen würde. Ich muss aus diesen Gründen auch Hirsch (B. 7. p. 243. Anm. 8) vollständig beistimmen, wenn er sagt: „dass die Alexandri- ner oder gar Alcmaeon diese Bezeichnung (nämlich itdpo;) mit Rücksicht auf die den Nerv opt. perforirende Art. centralis gewählt haben, ist nicht wahrscheinlich. 2 Philippson. Y).t). p. 118. 3 Uebrigens stützte sich die von Diogenes angezogene Diagnose einer Neuritis](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21714125_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)