Die Anatomie des Auges bei den Griechen und Römern / von Hugo Magnus.
- Magnus Hugo, 1842-1907.
- Date:
- 1878
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Anatomie des Auges bei den Griechen und Römern / von Hugo Magnus. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
61/72 (page 57)
![inmal sollte es die Linse feucht halten und vor Austi-ockuung schützen, dann sollte es eine Berührung zwischen Hornhaut und Linse uumöghch : Hachen, ferner hoffte man, es werde das in das Auge einfallende Licht twas abdämpfen und dessen allzuheftige Wii-kung mildem und schliess- lich octroyirte man ihm auch noch eine optische Function, indem man imahm: dass sein flüssiger Zustand für das deuthche Sehen gewisse Bedeu- tung habe. Bei einer derartigen hohen Schätzung des Kammerwassers \wai- es wohl natüi'lich, dass man einen Verlust desselben jetzt nicht mehr ffür ein nebensächhches und bedeutungsloses Ereigniss erachten dmfte, iihmviehnehi- eine gxosse Wichtigkeit zuerkannte und bei Operationen darauf Ibedacht war, wenn mögUch einen Abfluss des Humor aqueus zu ver- rmeiden. Genau in demselben Smne äussern sich die Ophthalmologen oder nachgalenschen giiechischen und römischen Zeit. Die Linse wurde von Galen^ und der gesammten nachgalenschen IMedicin bis zu dem Beginn des siebenzehnten Jahrhunderts für- das vyorzüghchste Organ des Auges, für den eigentüchen Sitz der Licht- empfindung gehalten. Diese von Celsus nur nebensächhch angedeutete (Lehre erreichte unter den Bemühungen Galen's eine solche Ausdehnung lund eine derartige allgemeine Giltigkeit, dass man vor dem Ausspruch ^ onicht zm-ückscheute: um der Linse willen seien sämmtliche andere [Organe des Auges erschaffen, ihr seien alle Theile des Auges dienstbar^ \Was mm zuvörderst den anatomischen Bau der Linse anlangt, so be- lals eine sehr bedeutende gedacht haben muss, da er (De usu part. Lib. X. Cap. 5) Iausdrücklich bemerkt: man fände bei Untersuchungen des Auges vor der Linse. jwischen dieser und der Hornhaut einen sehi- grossen Eaum. Die noch völlig auf antikem Boden stehenden Augenabbildungen späterer Forscher, wie Fuchs, Maui-o- ycus u. A. zeigen, dass man der vorderen und hinteren Kammer mehr als die Hälfte des gesammten Bulbusinneren überwies und ich zweifele nicht, dass die Vor- i'itellungen Galen's ganz ähnliche waren. Entsprechend dieser bedeutenden räum- ichen Ausdehnung der Vorderkammer musste man natürlich auch die Menge des iiieselbe erfüllenden Kammei-wassers als sehi- bedeutende erachten und möchte ich rjlauben, dass die Aeusserungen späterer Autoren hinsichtlich der Menge des Kammer- ivassers von denen Galen's gewiss nicht wesentlich verschieden gewesen sein iürften. Wenn z. B. Vesal (Lib. VII. iCap. 14. ]). 499) den Humor aqueus die Hälfte des gesammten Bulbusinneren ausfüllen lässt, so bewegt er sich mit dieser Behauptung sicherlich noch vollständig auf dem Boden der antiken Ophthalmologie. 1 Galeno adscriptus liber de Anatomia vivorum. De sympt. causis Lib. I. Cap. 2. De usu part. Lib. X. Cap. 6. 2 De instrumento odoratus. Cap, 3. De usu partium. Lib. VII. Cap, 6. De sympt, causis. Lib. I. Cap. 2. Method. med. Lib. II. Cap. 6,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21714125_0061.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)