Volume 1
Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie : für praktische Aerzte und Studirende / von Hermann Eichhorst.
- Hermann Eichhorst
- Date:
- 1883-1884
Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie : für praktische Aerzte und Studirende / von Hermann Eichhorst. Source: Wellcome Collection.
1019/1046 page 1003
![Die Krankheit leitet sich bald mit prodromalen Erscheinungen ein, bald tritt sie ohne solche in unverkennbarer Gestalt auf. Zu den Prodromen hat man Schüttelfrost, längeres u.nd wieder- holtes Frösteln, Fieberbewegungen, Störungen in den Func- tionen des Magens und Darmes zu rechnen. (Brechneigung, Erbrechen, gesteigerter Durst, Appetitmangel, Durchfall, Verstopfung, Fla- tulenz u. s. f.) Unter den manifesten Symptomen nimmt der Schmerz eine hervorragende Rolle ein. Bald verlegen ihn die Kranken an eine ganz bestimmte Stelle des Abdomens, am häufigsten in die Nabelgegend, bald wird das ganze Abdomen als schmerzhaft ange- geben. Die leiseste Berührung ruft die heftigsten Schmerzen hervor, und meist bitten die Kranken flehentlich, Betastung der Bauchdecken zu unterlassen. Kaum sind sie im Stande, den Druck einer leichten Bettdecke, eines verordneten Cataplasmas, selbst des Hemdes zu ertragen. Tage und Wochen lang nehmen sie unverändert Rücken- lage ein, die Oberschenkel meist aneinander angezogen, die Kniee ]eicht gebeugt, um die Bauchdecken möglichst zu entspannen und die Schmerzen in ihrer Intensität zu mindern. Bei Vielen spricht sich ein lebhafter Gegensatz zwischen dem Hin- und Herbewegen der Arme und des Kopfes gegenüber der Unbeweglichkeit des Kumpfes aus. Besonders gefürchtet werden noch Brechbewegung, Husten, Niesen, Schluchzen, Stuhl- und Harnentleerung, weil dabei Anspannung der ßauchpresse nothwendig ist und dadurch Steigerung der Schmerzen entsteht. Die Art des Schmerzes wird als bohrend, windend, brennend, lancinirend angegeben, ohne dass man daraus irgend welchen Schluss ziehen darf. Mitunter stellt sich anfalls- weise kolikartige Steigerung des Schmerzes ein, was durch lebhaftere Darmbewegung oder vorübergehende übermässige Ausdehnung ein- zelner Darmschlingen durch Gas bedingt zu sein scheint. Das Abdomen zeigt mehr oder minder starke A u f t r e i b u n g. Zuweilen sind die Bauchdecken gespannt, wie zum Platzen. Dabei erscheint die Bauchhaut ungewöhnlich faltenlos, glatt, glänzend, verdünnt und sieht man die subcutanen Hautvenen als bläuliche Stränge hindurchschimmern. Zuweilen bekommt man an einzelneu Stellen des Bauches ein eigea- thümlich crepitirencles oder reichlich unterbrochenes Reibegeräusch zu fühlen, welches Beatliy und Bright zuerst beschrieben. Es würde dem pleu- ritischen und pericarditischen Reibegeräusche entsprechen und durch die rauhen fibrinösen Auflagerungen auf dem Peritoneum zu erklären sein. Mitunter lässt sich das GJeräusch mit dem Stethoskope besser vernehmen oder auch allein nachweiser. Vorhandenes flüssiges Exsudat würde sich durch Fluctuation und Dämpfung verrathen, Ist die Spannung der Bauchdecken eine übermässig grosse, dann freilich können Fluctuation und selbst abgegrenzte Dämpfung vermisst werden, indem das gesammte Abdomen gedämpft erscheint. Bei geringeren Graden von Spannung bekommt man es mit metallisch-tympanitischem Percussionsschalle zu thun, nur da, wo Flüssigkeit den Bauchdecken anliegt, wird Dämpfung nachweisbar sein.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20414250_001_1021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


