Volume 1
Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie : für praktische Aerzte und Studirende / von Hermann Eichhorst.
- Hermann Eichhorst
- Date:
- 1883-1884
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Credit: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie : für praktische Aerzte und Studirende / von Hermann Eichhorst. Source: Wellcome Collection.
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![einer sogc])annten inneren Herzbeiitelfistel zur Entstehung von Pericarditis kommen. Zuweilen rufen Erkrankungen der Speiseröhre Pericarditis hervor. Dahin gehören namentlich krebsige Zerstörungen, welche auf den Herzbeutel übergreifen, und Ulcerationen, welche durch verschluckte Fremdkörper entstanden sind und zur Perforation des Oesophagus und Herzbeutels geführt haben. Auch Erkrankungen der abdominalen Organe können zu Pericarditis führen. Man hat hierher zu rechnen peri- tonitische Exsudate, welche nahe dem Zwerchfelle abgekapselt sind, Abscesse und Echinococcen der Leber und Milz, Ent- zündungen des Leb er Überzug es, Geschwüre und Krebse des Magens, von denen namentlich die ersteren in den Herzbeutel durchbrechen können, Tumoren anderer Abdominalorgane. Es können endlich noch Entzündungen der äusseren Haut oder Erkran- kungen der Brustdrüse auf den Herzbeutel übergreifen und ihn in Mitleidenschaft ziehen. II. Anatomische Veränderungen. Je nach der Ausdehnung des anatomischen Processes theilt man die Pericarditis in eine ei reu m- scripte und diffuse ein. Bekommt man es mit ersterer Form zu. thun, so beschränken sich die V^eränderungen gewöhnlich auf die Herzbasis und die angrenzenden grösseren Gefässe. Bei der diffusen Herzbeutelentzündung ist die Veränderung auf dem Epi- cardium fast ausnahmslos stärker ausgesprochen, als auf dem parietalen Herzbeutelblatte. Wir werden uns bei Schilderung der ent- zündlichen Vorgänge auf letztere Form beschränken, weil sich die- selbe in keiner Weise anatomisch von ersterer unterscheidet. Die ersten Erscheintmgen verrathen sich unter dem Bilde ungewöhnlicher Röthungiind Injection. Die Blutgefässe des subserösen Bindegewebes und der Serosa selbst lassen sich an vielen Stellen als sternförmiges oder baumartig verzweigtes Geäder er- kennen, während an anderen die Hyperämie als diffuse und gleich- mässige Röthung erscheint. Auch pflegt es an einzelnen Orten zu kleineren Blutaustritten gekommen zu sein. Gewöhnlich verliert sehr bald die Oberfläche des Herz- beutels den spiegelnden Glanz. In Folge von Quellung und theil- weiser Losstossung der Endothelien erscheint sie gewissermaassen blind und rauh. Auch muss es auffallen, dass das Gewebe des Herz- beutels durch Exsudation aufgelockert erscheint. In kurzer Zeit pflegen sich die ersten Entzündungsproducte auf der Oberfläche des Herzbeutels abzusetzen. Dieselben stellen sich anfänglich als dünne spinnengewebs- oder florartige Häutchen dar, welche man mit einer Messerklinge leicht von der Oberfläche abstreichen kann. Allmälig nehmen jedoch dieselben an Umfang zu, und so gehen daraus gelbe oder grauliche schwartenartige und mehrere Millimeter dicke Faserstoffmassen hervor, welche meist nach Er- öffnung des Herzbeutels eine auffällig unebene Oberfläche darbieten. Man hat dieselbe bald mit dem porösen Aussehen eines Schwammes, bald mit der Gestalt von Honigwaben, bald mit dem Anblicke von dem Inneren des zweiten ]\Iagens der Kälber, bald mit dem Aeusseren eines Tannenzapfens, bald endlich damit verglichen, als ob](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20414250_001_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


