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Credit: Die Neubildungen des Uterus. Source: Wellcome Collection.
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![Medizin erfunden sind, wenn diejenigen, welche dieselbe glücklich über- standen haben, nun auch dauernd genesen wären — allein alle, von denen berichtet wird, haben Recidive bekommen und sind mehr oder weniger bald zu Grunde gegangen. Wenn also im günstigsten Falle durch die Operation nur ein Aufschub des Endes, eine leidensfreie Zeit ge- schaffen wird, so ist hiefür dieser Eingriff zu lebensgefährlich und der Trost, dass bei den Todesfällen die Leiden früher beendigt seien, der Euthanasie Rechnung getragen wäre, diese Begründung kann doch wohl von ernsthaft denkenden Aerzten nicht ernsthaft ausgesprochen werden. Wenn man nun seitens der modernsten Chirurgie (Barden- heuer1) hört, dass die alte Therapie (Amputation der Portio, Aus- löffelung, Combustion) „für den Arzt angenehm in der Anwendung sei, so ergiebt sich daraus nur, wie wenig diese Thätigkeit den so Denkenden bekannt ist. Jeder, der es für seine Pflicht hält, diese alte Therapie noch zu üben, wird eingestehen, wie deprimirend dieselbe für den Arzt, wie mühevoll und die Geduld auf eine harte Probe stellend ein solches Verfahren ist — gegenüber einer interessanten, technisch schwierigen Operation, bei der schon eine momentane Be- friedigung in der Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten gegeben ist. Ob durch dieses ältere Verfahren die ärztliche Kunst mehr „dis- creditirt wird, wie Bardenheuer meint, als durch den Jube] einer vom Uteruskrebs durch die Exstirpation „Geheilten (1. c. S. 39), die nach wenig Monaten sieht, dass sie dem alten Elend von Neuem verfallen — bleibe dahingestellt. Ganz anders liegt die Frage über den Werth der Totalexstirpation des Uterus von der Vagina aus. Diese von Czerny und Billroth zunächst angegebene oder vielmehr wieder aufgenommene Operation (zuerst von Sauter 1822, Blundel 1828, Recamier 1829 und Andern ausgeführt) hat in der That zunächst weit günstigere Resultate in Rücksicht auf die Mortalität aufzuweisen. Nach einer Zusammenstellung von Hahn2) fanden sich im Jahre 1882 unter 48 Fällen von Totalexstirpation des Uterus von der Scheide aus 14 mit tödtlichem Ausgang, also eine Mortalität von 29,1 °/o, He- gar und Kaltenbach3) fanden 29 Fälle mit 8 Todesfällen, also Mortalität von 25°/o. Czerny4) konnte unter 81 Operationen derart 26 Todesfälle auffinden, demnach eine Mortalität von 32% feststellen. M. Duncan (1. c.) sammelte 276 vaginale Uterusexstirpationen und* fand eine Mor- talität von 28,6 °/o. Sänger5) berechnet aus 133 Fällen ebenfalls eine Mortalität von 28,6 °/o. Ich selbst konnte 253 Operationen aus der Literatur zusammenstellen (incl. 6 von mir ausgeführten, die noch nicht publicirt sind, mit 1 Todesfall) und fand darunter 59 Todesfälle, also nur 23,3 °/o Mortalität. Hienach ist nicht nur die vaginale Exstirpation des Uterus eine bei weitem ungefährlichere Operation als die Freund'sche Total- exstirpation, sondern es hat sich dabei auch mit der Zunahme der *) Die Drainirung der Bauchhöhle. Stuttgart 1881, p. 2) Berh klinische Wochenschrift 1882, Nr. 24. 3) L. c. p. 409. 4) Berl. klin. Wochenschrift 1882, Nr. 46 u. 47. 5) Archiv f. Gynäkol. XXI, p. 98.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21021892_0247.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)