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Credit: Die Neubildungen des Uterus. Source: Wellcome Collection.
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![Operationsfälle die Mortalität erheblich gebessert, was bei der Freund- schen Operation, wie wir gesehen haben, keineswegs der Fall war. Dies ist besonders auffällig in einer Zusammenstellung von Pfannen- stiel1), der unter 154 Operationen bis 1882 eine Mortalität von 23%, unter 36 nach 1882 ausgeführten nur eine solche von 8,3 °/o fand. Hienach kann die vaginale Exstirpation des Uterus jedenfalls zunächst einen hohen Werth als Palliativoperation beanspruchen, über ihren Werth als Radikaloperation lässt sich noch nicht sicher urtheilen, da die Beobachtungszeit noch zu kurz ist. So viel ist jetzt aber schon als festgestellt zu betrachten, dass auch nach diesem Eingriff die Mehrzahl der Kranken in bald kürzerer bald längerer Frist an Recidiven zu Grunde gehen. Die Angaben hierüber sind schwer zu verwerthen, da nur die Fälle die Frage entscheiden können, bei denen sicher keine Reste der Erkrankung zurückgeblieben sind und dies bekanntlich äusserst schwer festzustellen ist. Nach Schröder (1. c.) fanden sich unter 25 Frauen, welche die Operation überstanden hatten, 3 d. h. 33 °o, noch gesund und recidivfrei nach 2 Jahren, Hofmeier (1. c.) konnte später feststellen, dass von 129 Frauen derart nach 2 Jahren noch 28, d. h. 21,8°/o gesund geblieben waren, Olshausen hat einen Fall, wo 2 Jahr und 11 Monate ohne Recidiv nach der Operation verflossen waren, ich selbst einen solchen, wo 2 Jahre 3 Monate die vollständige Genesung schon besteht. Es ist demnach wohl die Hoffnung erlaubt, dass die Zahl der Fälle sich mehren wird, in welchen eine dauernde oder wenigstens jahrelange Genesung durch die Operation erzielt wird. Wenn dieselbe aber auch nur das leistet, was bei andern Carcinom- operationen (an der Mamma u. s. w.) erreicht wird, so ist sie bei der relativ geringen Mortalitätsziffer jedenfalls als berechtigter und unter Umständen segensreicher Eingriff anzuerkennen. Die wesentlichste Bedingung zur Ausführung der Operation ist die, dass die carcinomatöse Erkrankung noch nicht zu weit auf die Scheidenwandungen, besonders aber noch nicht auf das Beckenzellgewebe übergegangen ist; letzteres lässt sich theils durch genaue doppelte Untersuchung in Chloroformnarkose feststellen, vor allen Dingen aber darnach beurtheilen, wie weit der Uterus mittelst Kngelzangen nach abwärts, womöglich bis in den Scheideneingang zu dislociren ist. Je weniger diese Dislocation möglich ist, um so mehr erscheint die Total- exstirpation per vaginam unausführbar. Die Anschauungen über die beste Methode der vaginalen ,Uterus- exstirpation gehen noch ziemlich weit auseinander. Unter antiseptischen Vorsichtsmaassregeln wird der Uterus mit Kugelzangen möglichst weit nach abwärts gezogen, nachdem bei weiter vorgeschrittener Erkrankung die carcinomatösen Wucherungen durch Auslöffelung, Anwendung von Ferrum candens, Jodoform oder drgl. möglichst entfernt und desinficirt sind. Zweckmässig erscheint es, wenn möglich durch einen starken doppelten Seidenfaden den Muttermund zu vernähen, um so theils eine gute Handhabe zur Dislocation des Uterus zu gewinnen, theils zu verhüten, dass die erkrankten Massen mit den gesetzten Wund- flächen in Berührung kommen. Dann wird das vordere und hintere Scheidengewölbe eingeschnitten und zunächst möglichst stumpf das ]) Inaug.-Dissert. Berlin 1885.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21021892_0248.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)