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Credit: Die Neubildungen des Uterus. Source: Wellcome Collection.
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![Tampons mit Natrum bicarbonicum gegen die Aetzung geschützt. Eine derartige Behandlung soll in 10—14 Tagen eine vollständige Ver- narbung erzielen. Von keinem dieser oder auch sonst noch andern empfohlenen Aetzmitteln habe ich auch nur annähernd die gleichen Erfolge gesehen, wie von dem geschilderten Verfahren mit Ferrum candens — sie dürften sämmtlich daher nur als Aushülfsmittel anzu- sehen sein für die Fälle, wo das Glüheisen nicht mehr anzuwenden ist. Die Bekämpfung der einzelnen Symptome bei Cancroid des Cervix uteri ist nun ebenso schwierig wie unsicher. So lange der Ansfluss mehr schleimig-eitrig, leicht blutig-serös ist, reichen oft einfache ad- stringirende Einspritzungen in die Scheide aus, um ihn zu massigen. Kalte Einspritzung mit Lösungen von Zincuni sulf., Cuprum sulfur., Alaun, Tannin, Acet. pvrolignosum u. s. w. in verschiedener Ver- dünnung. Wird der Ausfluss mehr stinkend jauchig, dann empfehlen sich zu diesen Einspritzungen mehr antiseptische Lösungen, wie Chlor- kalklösungen, Chlorwasser, Kali hypermanganicum, Theerwasser, Carbol- säure, Kreosotwasser, Lösungen von Salicylsäure. Kohlenpulver in Wasser suspendirt zu Einspritzungen zu ver- werthen, ist nicht unwirksam, aber für die Dauer ziemlich unreinlich. Wichtig ist jedenfalls von Zeit zu Zeit mit derartigen Mitteln zu wechseln. Sicherer beseitigt oder beschränkt man den jauchigen Aus- fluss, wenn die betreffenden Mittel in Substanz oder in geringen Ver- dünnungen direct auf das jauchende Krebsgeschwür gebracht werden. In dieser Beziehung hat sich mir als ganz vortrefflich bewährt die Applikation von Wattetampons, die in absolutem Alkohohl getränkt waren, nach dem Verfahren, wie es Professor Zweifel seiner Zeit auf meiner Klinik eingeführt hat. Der Schmerz bei Anwendung der Tampons ist selten erheblich und die desinficirende Wirkung auf das LTlcus meist ausgezeichnet. Säckchen mit Kohlenpulver und Calcaria carbon. ge- füllt in die Scheide zu appliciren, ist ein umständliches und unreinliches Verfahren, wenn auch der Ausfluss dadurch seinen Geruch sehr ver- liert. Am nützlichsten und alle andern Mittel in seiner sichern Wirkung weit übertreffend ist jedenfalls die Anwendung des Jodoforms, das von Demarquay1), Sänger2) u. A. empfohlen worden. Nach sorg- fältiger Ausspülung der Scheide wird dieselbe ausgefüllt mit Tampons (oder Krüllgaze), die mit einer möglichst trockenen Mischung von Glycerin und Jodoform durchtränkt sind. Mir ist in ausgedehntester Erfahrung kein anderes Mittel bekannt geworden, wodurch der Ausfluss so in Schranken zu halten ist. Ein grosser Vortheil dieses Verfahrens liegt noch darin, dass diese Tamponade der Scheide, 2, 3 und mehr Tage ohne allen Nachtheil und mit gleichem Nutzen ohne zu wechseln erhalten werden kann. Jedenfalls muss man durch sorgfältige Reinigung der äusseren Geschlechtstheile, frühzeitiges Bestreichen derselben mit einer milden Salbe Sorge tragen, dass der jauchige Ausfluss keinerlei Ex- coriationen macht, die leicht eine schlechte Beschaffenheit annehmen, aber auch sonst den Kranken viel Qual verursachen. Sind Blutungen vorherrschend, so müssen Eiswasserinjektionen ]) Bulh't. therapent. LXXII, 1867. p. 369-40G. 2i Vergl. Centralblatt f. Gynäkolog. 188:5. ]>. 7-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21021892_0254.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)