Ueber das Verhalten von Harn und Nieren der Neugeborenen / von A. Martin und C. Ruge.
- August Martin
- Date:
- 1875
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Credit: Ueber das Verhalten von Harn und Nieren der Neugeborenen / von A. Martin und C. Ruge. Source: Wellcome Collection.
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![zu Milliarden ohne Störung des Allgemeinbefindens sieht, Epithelien, harn saure Salze und spärliche, bestäubt erscheinende und hyalin C y 1 in d e r. Auch in dem Urin des zweiten der ecclämptischen Mutter angehörigei Kindes zeigten sich microscopisch ausser Epithelien ganz feine zarte un« auch dickere hyaline Cylinder, die hier und da glänzende klein« Körnchen trugen. Aehnlich war bei dem Kinde mit Nabelschnur Vorfall der Befund, wo sich ausser Epithelien, kleinen einkernigen, grana lirten Rundzellen hyaline Cy linder und eine Menge blasse, oben sclioj erwähnte Tröpfchen nachweisen liessen: alles Befunde, die in der That iij ersten Urin abnorm sind ,und die wir nicht in anderen Urinen todtl geborener Kinder gefunden haben, die nicht wirklich obigen nachweisbare^ modificirend wirkenden Momenten unterlegen waren. Uebertragen wir die Ansichten, die wir von derartigen Befunden bei Erwachsenen haben, auf das Kind, so ist die Entstehung der Fibrincylindei nach Virchow nicht durch den Blutdruck zu erklären, die Bildung der* selben vielmehr in das Gewebe der Niere zu verlegen. Vergleichen wil damit die Resultate von Senator1): nach ihm entstehen die albuminöserj Cy linder weder aus ausgepresstem Blutfaserstoff, noch aus entzündlichem Exsudatfibrin, sondern sie kommen überall da zustande, wo durch langsam] sich entwickelnde und chronisch verlaufende Zustände die Nierenepithelieilj allmälig in ihrer Ernährung verändert werden und entarten.2) Selbst befi allmälig sich ausbildender und zunehmender Stauungsliyperaemie erschei-ji nen die Cylinder erst, wenn bereits kürzere oder längere Zeit vorher Eiweis: in den sparsamen Harn übergegangen war. Wir werden also obige Fäll auf veränderte Functionen der Nieren zu beziehen haben. —S In dem Urin der todtgeborenen Kinder überhaupt finden wir An- häufungen von Epithelien der Blase, der Ureteren u. s. w., die sämmtlich der Reihe der Plattenepithelien angehören, manchmal jedoch den Eindruck der cylindrischen machen; neben Beimengungen von Fetttröpfchen, die oft der an der Urethralöffnung sich vorfindenden Vernix caseosa entstammen, sieht man rothe Blutkörperchen, kleinere auch etwas grössere, lymphoide, granulirte, meist einkernige Zellen. Rothe Blutkörperchen sind gewöhnlich in sehr geringer Menge vorhanden und bei Todtgeborenen haben wir nie dadurch die Färbung des Urins bedingt gesehen, wie Virchow3) in einem Falle, freilich von einem erst etwas später gestorbenen Kinde beschreibt. Ausser den oben näher erwähnten blassen, aus den Epithelien herstammenden ‘) Senator: Ueber die im Harn vorkommenden Eiweisskörper und die Be- dingungen ihres Auftretens bei verschiedenen Nierenkrankheiten, über Harncylinder und Fibrinausscheidung. Virchow, Arch. Bd. 60. 1874. 2) a. a. 0. S. 504 und 494. 3) Ges. Abh. S. 852. raKS 4](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22367640_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


