Die Tuberculose der Knochen und Gelenke : Auf Grund eigener Beobachtungen.
- Franz König
- Date:
- 1884
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Credit: Die Tuberculose der Knochen und Gelenke : Auf Grund eigener Beobachtungen. Source: Wellcome Collection.
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![mehr weniger characteristische Veränderung der Form des Gelenks und der Länge der Extremität. Der Schulter fehlt die normale Run- dung, der zerstörte Kopf steht nahe dem Processus coracoideus, das Knie stellt sich in leichte Valgumstellung, wird wacklig und die Tibia sinkt auch wohl zurück. An der Hüfte stellt sich der Trochanter um e'in weniges über die Sitzdarmbeinlinie und die Extremität zeigt eine geringe Verkürzung. (Siehe die Erkrankung der einzelnen Gelenke.) Difl'crcnt von diesem im Ganzen doch nicht so häufig vorkommen- den Ty])us des Verlaufs, pflegt bei einer zweiten Gruppe die tuber- culösc Granulation weicher zu sein und grössere Tendenz zum käsigen Zerfall zu besitzen. Ist dies bis zu einem gewissen Grade gediehen, so fehlt auch hier in der Regel nicht die Ausbreitung des tubercu- lösen Processes über das Gebiet des Gelenks hinaus, indem der Sy- novialraum durchbrochen wird, zuweilen an circumscripter Stelle von einem ganz umschriebenen käsigen Herde aus, welcher ulcerative Zerstörung der Synovialmembran bewirkte. Neben dem Gelenk kommt ein Herd von käsiger Granulation oder ein wirklicher umschriebener Abscess zum Vorschein. Gerade diese Form zeichnet sich auch in der Regel aus durch nicht unerhebliche Schwellung, es ist der eigentliche Tumor albus, die fungöse Gelenkentzündung. Die Synovialis wird durch chronisch granulirende Entzündung (vergl. §§. 12, 13, 14) verdickt, das parasynoviale Gewebe schwillt und wird mannigfach entzündlich verändert. Durch alle diese Vorgänge zu- sammen wird dem geschwellten Gliede jene eigenthümliche Form ge- geben, welche man nicht ohne Grund mit der einer Spindel verglichen hat, indem die Geschwulst am erheblichsten zu sein pflegt da, wo der eigentlich articulirende Theil des Gelenks liegt, während sie nach beiden Seiten, entsprechend der Abnahme der entzündlichen Neu- bildung, allmälig sich verjüngt und der Diaphysentheil der entsprechen- den Gliedmassen durch Schwund des Fettes und der Muskeln verdünnt ist. Je mehr ein solches Glied functionellen Reizen ausgesetzt wird, desto derber wird allmälig die Schwellung. Sie geht schliesslich in einzelnen Fällen auch auf den Knochen über und es kommt zu mannigfacher Neubildung von periostalem Knochen, während in der Regel fälschlich eine Knochenschwellung angenommen wird. Dann wird allmälig die Synovialgeschwulst und der paraarticuläre Tumor so derb und fest, dass sie gleichsam in eine feste Schwarte ver- schmelzen und die ganze Geschwulst ist von der mit ihr verwachse- nen anämischen Haut überzogen — ein wahrer Tumor albus. Dies](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21215960_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


