Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
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Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![Symptome der eitrigen Meningitis. W ist (Inrch Leyden erwiesen, der 1883 im Gewebe der Pia luid der trüben Cerebrospinalliiissigkeit Diplococcen anfgefiinden hat, die A. Fränkel als identisch, mit Pneumouiecoccen erkannte (Deutsche med. Wochenschr. 1886, 13); ob die Coccen durch die Nasenhöhle und die Löcher der Siebbeinplatte zu den Meningen gelangen, wissen wir nicht. Kinder und jugendliche Individuen werden von der, übrigens nicht contagiösen Krankheit häufiger ergriffen, als Aeltere imd können die Krankheit von Ort zu Ort verschleppen; in geschlossenen, von vielen Menschen bewohnten Räumen (z. B. Gefängnissen, Kasernen) können sich förmliche Endemien entwickeln, wie sie z. B. auch. Hermann (cf. Lit.) in einzelnen Häusern beobachtet hat. Aber auch. wenn keine Epidemie vorhanden ist, kann die Krankheit überall sporadisch auftreten und ist dann ebenfalls als parasitäre Affection aufzufassen. Eine greifl3are Ursache für die Meningitis bilden Traumen der S c h ä d e 1 k n 0 c h e n, bei d e n e n d i e AY e i c h t h e i 1 e v e r 1 e t z t w erden, so dass der Entzündungserreger durch die offenen Wiuiden eindringen kann: als solche hat man den (septischen?) Streptococcus pyogenes (EbertJi) , der nicht so zart luid leicht absterbend ist, wie der oben erwähnte Coccus, gefunden. Bleibt der Luftzutritt bei den Traumen ausgeschlossen, wie es bisweilen bei Fracturen der Schädel- basis der Fall ist. dann macht die Erklärung der eitrigen Meningitis Schwierigkeit. Eine grosse Rolle in der Aetiologie der Meningitis spielen Erkrankungen der Schädelknochen, speciell des Felsenbeins und des Gehörapparates; aus der Otitis media entwickelt sich Caries des Felsenbeines, welche durch die dünne Decke der Pauken- höhle durchbricht; auch von den Zellen des Proc. mastoid. aus kann die Entzündung vermittelt werden, wenn ein Gerinnsel aus einer Ivnochenvene in einen Venensinus, der dann von einer eitrigen Thrombo- phlebitis befallen war, gelangt. Dass die t u b e r c u 1 ö s e M e n i n g i t i s in der Regel auf tuberculöse Processe in anderen Organen zurückzuführen ist. geht aus der Be- zeichnung hervor und insofern deckt sich ihre Aetiologie mit der der Tuberculöse überhaupt, setzt also ausnahmslos die Invasion des Tuberkel- bacillus voraiis; interessant aber ist, dass die primäre Erkrankung anderer Organe noch gar keine oder doch kaum bemerkbare Er- scheinungen gesetzt zu haben braucht und trotzdem erkrankt die Pia secundär unter den eigenthümlichen. nachher zu besprechenden Erscheinungen. So sieht man besonders Kinder an einer post mort. als tuberculös erkamiten Meningitis erkranken, ohne dass man eine Ahnung von der bereits vorhanden gewesenen Infection des Patienten gehabt hätte: in anderen Fällen tritt die Meningitis erst auf. wenn die Lungentuberculose schon weit vorgeschritten war. Auch ver- käste Bronchial- und Mesenterialdrüsen können der Ausgang für die meuingeale Affection sein. wie man sie denn auch aus solitären Hirntuberkeln hat entstehen sehen: dass tuberculöse Knochen- und (jrelenkerkrankungen. tuberculöse Affectionen des Darmes und des L^rogenitalap]3arates Veranlassung dazu geben, gehört zu den selteneren Vorkommnissen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)