Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
Licence: Public Domain Mark
Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
33/576 (page 19)
![die man diircli grössere Calomeldosen zu erreichen sucM, tliatsäc]ilicli antiphlogistiscli wirken. lässt sich zwar nicht beweisen, es liegt indess kein Grnnd vor. sie zu unterlassen: man gebe daher Calomel bis zum Eintritt der charakteristischen Stühle. Der anderen Absicht, die Aufsaugung etwaiger Exsudationen betreffend, sucht man durch Darreichung grosser.Jodkali dosen, -i—6 Grm. pro die in heisser Milch, zu genügen, eine Medication, die besonders der gummösen Form gegenüber indicirt erscheint. Gegen das Coma bedient man sich passend kalter Begiessun- gen des Kopfes, die gemacht werden, während sich die Patienten in einem lauen Bade befinden: das zu den Begiessungen verwendete Wasser braucht nur 15—12°'R. warm zu sein, während die Tem- peratur des Bades 26—27° betragen muss. Man kann die Begiessungen 8—10 ]\Iinuten lang fortsetzen und sieht manchmal wirklich den Ejranken aus seiner Bewusstlosigkeit erwachen, ohne dass diese Besse- rung allerdings immer lange anhält: die Wiederholung der Procedur mehrere Male während des Tages ist daher, trotz der immer, wenig- stens in der Privatpraxis, recht erheblichen Umstände und Belästi- gung, erforderlich. Symptomatisch kann man gegen den quälenden Kopfschmerz und die Jactation Morr^hium geben: dasselbe Medicament benöthigt man auch oft gegen das unstillbare Erbrechen, welchem schwer, manchmal gar niiht beizukommen ist: es kann sich ereignen, dass alle inneren Mittel. Eispillen, frappirter Champagner, Opium. aro- matische Tincturen u. s. w.. ebenso wie alle Einreibungen mit Senf- spiritus etc. unwirksam bleiben, dann muss man zum Morphium seine Zuflucht nehmen und erreicht nicht selten mit der subcutanen An- wendung mehr, als mit allen ^Mitteln zuvor: dass man auf regel- mässige Stuhlentleerung zu sehen habe, bedarf keiner Erwähnung. Die ganze Behandlung hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn man nicht vergisst und es richtig versteht, die Kranken passend und ausreichend zu ernähren; sobald mau die Sorge für die Ernährung ausser Acht lässt, ist der Kranke trotz aller Mixturen und Einreibungen so gut wie verloren. Mehr wie bei irgend einer anderen Erkrankung besteht die Aufgabe des Arztes hier zunächst darin, für die Erhaltung der Kräfte des Kranken zu sorgen . so dass derselbe eventuell auch im Stande sei, ein wochenlanges Krankenlager durch- zumachen ; mehr wie irgendwo anders , ist gerade hier, auch wenn die Sache scheinbar verzweifelt aussieht, die consequente Darreichung von Wein indicirt und weit wichtiger, als die medicamentöse Be- handlung. Xeben dem Wein reiche man stibidlich einen Theelöffel „Beeftea : völlig fettfreies, in Würfel geschnittenes Rindfleisch wird nach Zusatz von ein wenig Salz in einer ganz leicht verschlossenen Glaskrause im Wasserbade allmälig erwärmt und dann bis zum völligen Zerfall der Fleischstücke gekocht; 2 Pfund Fleisch geben etwa eine Kaffeetasse voll Flüssigkeit. In ganz exceptionellen Fällen ist ein operatives Vorgehen angezeigt: hat man nämlich ausreichenden Grund, einen Erguss in die Ventrikel zu vermuthen. was aus der Zunahme der Hirndruck- symptome hervorgehen kann, so darf unter sonst günstigen Um- ständen die Trepanation vorgenommen werden. 2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)