Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
Licence: Public Domain Mark
Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
522/576 (page 508)
![Unterextremitäten), dann Parästhesien und die lancinirenden Schmerzen, ebenfalls hanptsäclilicli in den Beinen, genannt werden: inwieweit die- selben im gegebenen Fall auf Erkrankung (ßeizung) der binteren Rückenmarkswurzeln oder auf Läsion der peripheren Nerven zurück- zuführen sind, kann nur durch die mikroskopische Untersuchung der letzteren festgestellt werden. Jedenfalls gehört die Degeneration der- selben, und zwar in den mannigfachsten Hautgebieten, zu den regel- mässigen Vorkommnissen während der Tabes. Weiterhin sind das Verschwinden des Patellarreflexes und einzelne Formen der oben genannten Blasenbeschwerden fast constante Begleiter der Krankheit, welche im Verein mit den eben erwähnten als die Grundlage für die Diagnose bezeichnet werden müssen. Ebenfalls sehr häufig, aber doch nicht so regelmässig me die genannten Symptome, sind Läsionen (besonders Atrophie) des Opticus. Reizungs- und Lähmungserscheinungen im Grebiete des Quintus, und die Ataxie der Unter extremitäten. Weniger häufig sind die durch Vagusläsion bedingten Larynx- crisen, Erkrankungen der Geschmacksnerven und des Accessorius; auch die im Verlaufe der Tabes beobachteten Psychosen, Hemiplegien und die Epilepsie dürften hier genannt werden. Gewisse Sensibilitäts- störungen, die sogenannten Mastdarmcrisen, cutane Hyperästhesie, Neuralgien der peripheren ßückenmarksnerven. ferner die Paraplegie der Beine. Das zeitweilige Auftreten von Zittern und Störungen in den Geschlechtsfunctionen gehören weiter hierher. Auch die trophischen Störungen, die ]\Iuskelatrophien, das Ausfallen der Haare und Nägel, das Mal perforant du pied, die Ckarcofsf^e Gelenkerkrankung müssen hier ihre Erwähnung finden. Nur selten, man kann sagen ausnahmsweise, erkranken unter den Hirmierven der Hypoglossus, der Acusticus und der Facialis; von spinalen Erscheinungen werden, soweit es sich um motorische Störungen handelt, die sogenannten Mitbewegungen und die Ataxie der Oberextremitäten, sofern sensible in Betracht kommen, die so- genannte Polyästhesie, ferner die Doppelempfindungen und die Ver- langsamung der Empfindungsleitung nur selten beobachtet. Auch die Herabsetzung der groben Kraft gehört zu den Ausnahmefällen. Hinsichtlich der Zeitfolge lassen sich noch weniger zuverlässige Angaben machen, da dieselbe mannigfachem Wechsel unterworfen ist; dennoch darf man mit einer gewissen Sicherheit behaupten, dass neben dem Gefühl leichter Ermüdbarkeit, besonders der Beine, die Läsionen des Oculomotorius und des Abducens sehr oft am frühesten, vor irgend welchem anderem Symptome auftreten; auch die Sensibilitätsstörungen, namentlich die Analgesie und Parästhesie. erscheinen in der Regel bald, während die lancinirenden Schmerzen oft erst später in den Vordergrund treten. Die gastrischen Crisen werden relativ früh beob- achtet, auch Blasenstörungen gehören im Beginn der Krankheit zu den häufigen Vorkommnissen; das Verschwinden des Patellarrefiexes dient, da es sieh ebenfalls sehr früh, oft als wichtigstes Initial- symptom einstellt, wie bemerkt, wesentlich zur Sicherung der Diagnose. Schwere Motilitätsstörungen, besonders die Ataxie der Unterextremitäten, kommen oft erst,im weiteren A^erlaufe. nach ^aelen Jahren des Bestehens der Krankheit zur Beobachtung und die Para-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0522.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)