Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
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Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![plegie der Beine bildet. wenn sie überhaupt eintritt. den Scliluss. Die Opticnsläsion ersebeint manchmal relativ frühzeitig , manchmal erst später und ganz allmälig — bestimmte Eegeln lassen sich dafür nicht aufstellen; ebenso unterliegt das Auftreten cerebraler Hemi- plegien, epileptiformer Anfälle, psychischer Störungen unberechenbarem ^^echsel. Die oben erwähnten trophischen Störungen, namentlich Muskel- atrophie und die Ckajcoi'&Qh^ GelenksafFection. pflegen nach unseren Beobachtungen den späteren Stadien der Krankheit anzugehören. Dass die Krankheit durch Complicationen wesentlich beein- flusst würde, gehört im Ganzen zu den Seltenheiten und ist auch leicht verständlich, wenn man überlegt, dass sie an sich eine so reichhaltige Mannigfaltigkeit der Symptome bietet, dass es kaum möglich ist, ihr durch eine zweite, unabhängig von ihr und neben ihr bestehende Krankheit noch neue hinzuzuführen. Dagegen lässt sich sehr wohl der Eall annehmen, dass eine Complication besteht, ohne dass es möglich ist, sie für sich zu diagnosticiren; das gilt z. B. von der Hysterie, deren Symptome unter Umständen sich von denen der Tabes überhaupt nicht unterscheiden lassen, dies gilt von der Syphilis, deren wichtigste Sjonptome, soweit dabei das Xervensystem in Betracht kommt, der Tabes angehören. und endlich gilt es von der progressiven Paralyse, deren Erscheinungen mit denen der Tabes ein manchmal unentwirrbares Geflecht bilden. Etwas leichter gestaltet sich die Sache für den Diabetes, der ebenfalls als Com- plication der Tabes beobachtet wird; diabetische und tabische Symptome können sich aber unter Umständen völlig decken, so dass es unmöglich ist. zu sagen, was der einen und was der anderen Er- krankung zuzuschreiben sei. Nur wenn der Zuckergehalt hochgradig wird, ist die Eeststellung erleichtert, denn dass sich bei Tabes Glycosurie einfindet, ist nicht häufig; ausserdem soll (Mobiles) die reflectorische Pupillenstarre entscheidend für die Diagnose sein können. da sie bei Diabetes fehlt. (Tergl. Fncher. Centralbl. f. Xervenheilk. ] 886, IX, 18). Dass sich neben dem tabischen Processe im Rückenmark manch- mal auch andere Läsionen gleichzeitig entwickeln, wie z. B. solche der Pyramidenseitenstrangbahnen, die Eulenburg (Deutsche med. Wochenschr. 1887, XIII. 35) beobachtete, kann nicht wundern, wenn man die Tabes als eine Erki-ankung des Gesammtnervensystemes betrachtet; die Localisation der Degeneration in den Hintersträngen ist eben nur eine der häufigsten, schliesst aber das gleichzeitige Erkranken anderer Systeme nicht aus. Die von einigen deutschen und französischen Autoren ange- nommene Häufigkeit der Complication der Tabes mit Insufficienz der Aortaklappen hat sich nach den Arbeiten Leydens (Centralbl. f. klin. Med. 1887, VIII. 1) und nach seinen lichtvollen Darlegungen in der Sitzung des Vereines für innere Medicin in Berlin, 29. Oc- tober 1888 (Deutsche Med.-Zeitung 1888, 89) als eine blosse Zufällig- keit erwiesen. Ueber den allgemeinen Verlauf der Krankheit ist Folgendes zu bemerken: In einer grossen Anzahl von Fällen gestaltet sich die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0523.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)