Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
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Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![Ophthalmoijlegia exterior und interior. 4]^ des anderen Auges durch Oculomotoriusparalyse gelähmt ist, über- haupt gar nicht zu diagnosticiren. Hier muss eine specialistisch- ophthalmologische Untersuchung vorgenommen werden , welche das Ausfallen der Wirkung des Obliquus superior festzustellen hat. Sehr selten ist die doppelseitige Trochlearisparese, welche in vereinzelten Fällen bei Tumoren der Zirbeldrüse beobachtet worden ist; die anatomischen Bedingungen, unter denen sie zu Stande kommt, sind durchaus unbekannt (Remak, cf. Lit.). Die mit der Oculomotoriuslähmung gleichzeitig auftretende Lähmung des Trochlearis kann man daran erkennen, dass beim Blick nach unten die charakteristische Raddrehung um die sagittale Axe (für das linke Auge in der Richtung von links oben nach links unten) fehlt (VVernicke). Sind an einem Auge mehrere Muskeln gelähmt, die von ver- schiedenen Nerven versorgt werden oder finden sich Muskellähmungen d«r beiden Augen, so spricht man von einer Ophthalmoplegie (Hirschberg^ Mauthner). und zwar von einer exterior oder externa, wenn nur die ausserhalb des Bulbus, von einer interior oder interna, w^enn nur die innerhalb desselben gelegenen Muskeln (Sphincter, Diktator, Tensor) gelähmt sind; der Ophthalmoplegia pro- gressiva (v. Graefe) entspricht die im ll.Capitel dieses Abschnittes abzuhandelnden Polioencephalitis superior (WernickeJ. In neuester Zeit ist die Aufmerksamkeit auf die sogenannte re cidivirende Oculomotoriuslähmung gelenkt worden, von welcher Mauthner 14 Fälle analysirt. Charakteristisch dafür ist, dass es immer nur ein, und zwar immer derselbe Oculomotorius ist, der stets in allen seinen Zweigen von der Lähmung befallen wird; das weibliche Geschlecht scheint mehr dazu zu disponiren. Die Häufig- keit und Dauer der Anfälle wechseln; jene zwischen 4 Wochen und 1 Jahre, diese zwischen 1 Tage und 3, 4, ja 6 Monaten. Ander- weitige nervöse Erscheinungen, Migräne, Schwindel und dergleichen fehlen manchmal, manchmal auch nicht; die Anfälle können während des ganzen Lebens constant bleiben und sieht man bisweilen auch in der anfallsfreien Zeit Reste der Lähmung (Moebiiis^ Remak). Ob die Störung unter Umständen eine rein functionelle sein kann, oder ob sie immer auf eine anatomische Erkrankung zurückzuführen ist, lässt sich aus dem vorhandenen Material nicht sicher entscheiden, wie wir uns denn auch darüber nicht sicher äussern können, ob man die Affection zu den peripheren oder zu den centralen zu rechnen habe. Dass sie jedenfalls unter Umständen peripheren Ursprungs sein kann, beweist der von Richter (cf. Lit.) publicirte Fall, wo eine Neubildmig im Nerven selbst vorlag. Wird eine Augenmuskellähmung vermuthet, so hat man durch die Untersuchung die etwaigen Defecte der Beweg- lichkeit festzustellen. Man lässt den Patienten bei unbeweglich gehaltenem Kopfe den vorgehaltenen und nach verschiedenen Rich- tungen hin und her bewegten Finger mit beiden Augen fixiren und cqnstatirt, ob die Bulbusbewegungen völlig symmetrisch erfolgen; ist ein Beweglichkeitsdefect in der Richtung der Wirkung eines afPicirten Muskels vorhanden („primäre Deviation), so beobachtet man bisweilen bei extremen Drehungen des Bulbus nystagmus-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)