Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
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Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![resaltiren; die im Mark zu constatirenden Verändermigen beziehen sicli auf zalilreiclie kleine Hämorrliagien, besonders in der Hals- anschwellung, in den mittleren Partien der Vorderhörner und auf' den Xackweis kleiner, atrophiseker. stellenweise pigmentirter, oft des Kernes entbehrender Ganglienzellen (Oelier, cf. Lit.j. Die letzteren, die saturninen Hirnlähmungen begegnen uns in der Form von Hemiplegien, welche, plötzlich auftretend, im Verlaufe genau den früher (pag. 182 fP.) beschriebenen gleichen. Wie man sich ihr Zu- standekommen erklären soll, ist nicht sicher; abgesehen von den ver- einzelten Fällen, wo die Hemiplegie mit chronischer Nephritis und Herzhypertrophie zusammenhängt, ist entweder die Wirkung des Giftes als eine vasomotorische aufzufassen, oder es werden gewisse Theile des Centralnervensystems direct in Erregung versetzt (Heubel, Malassez, Harnack). Auch auf die Erldärung der sensiblen Bleilähmungen, der Hemianästhesie. welche die Hemiplegie bisweilen begleitet, müssen wir zur Zeit noch verzichten; dadurch. dass man eine toxische Hemianästhesie als hysterische bezeichnet, trägt man zur Erklärung derselben nichts bei. Die Frage, ob sich der als Hysterie bezeichnete Symptomencomplex iiberhauj^t jemals in Folge der Berufsarbeit. und insbesondere der Bleiverarbeitung entwickelt, ist noch offen; vielleicht sind verschiedene Sj^mptome, die man der Bequemlichkeit wegen als hysterische bezeichnet, auf anatomische Läsion zurückzuführen. Das Auftreten der Epilepsie (und der Eclampsie), ferner gewisser mit Hallucinationen verbundener A u f r e g u n g s z u s t ä n d e, weiter des habituellen Kopfschmerzes (Encephalopathia saturnina), der Amblyopie und der oft darauf folgenden Amaurose, alles Das spricht für eine Erkrankung des Gesammtnervensystems, wie sie hochgradiger unter dem Einflüsse keines der anorganischen Gifte wieder beobachtet wird. Nach neueren Untersuchungen ist es wahrscheinlich geworden, dass Zink, in welchem mehr oder minder erhebliche Verunreinigungen mit Blei nachzuweisen sind, lediglich durch diesen (wechselnden) Blei- gehalt giftig wirkt; reines Zink übt, wie es scheint, keinerlei nachweis- bare Veränderungen auf das Nervensystem aus und sind die früher beschriebenen Zinkvergiftungen [Schlockow, Deutsche med. Wochenschr. 1879, V, 17,18) als B1 ei V e r gi f tu n g e n aufzufassen (Laffter [Lipine]). Dass möglicherweise auch dem Zink beigemischtes Kupfer in Be- tracht kommen könne, haben wir schon früher (Krankheiten der Arbeiter, III, 85) auseinandergesetzt, Literatur. Eemak, E., Zur Pathogenese der Bleilähmungen. Arch. f. Psvcli. u. Nervenkrankli. 1875, VI, 1. Lancereaux, Gaz. des Hop. 1875, 67. Daguet, Ibid. 1876,82. (Heniianalgesie bei Bleivergiftung.) Gib er t, Gaz. de Paris. 1876, 10. Bernhardt, Arch. f. Psych, u. Nervenkrankh. 2878,^111, 2. Dejerine, Gaz. de Paris. 1879, 12. Monakow, Arch. f. Psych, u. Nervenkrankh. 1880, X, pag. 495 Junker, Zeitsckr. f. klin. Med. 1880, I, pag. 496.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0558.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)