Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende.
- Ludwig Hirt
- Date:
- 1890 [i. e. 1888-90]
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Credit: Pathologie und Therapie der Nervenkrankheiten : fur Ärzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![Der Migräneanfall. q\ In einzelnen, wie es scheint recht seltenen Ausnahmsfällen ist der Sitz des Kopfschmerzes in gewisse ]\Inskeln zu verlegen, welche in ihren Ansatzpunkten und ihrem Verlaufe schmerzhafte Stellen er- kennen lassen (O. RosenbacJi, cf. Lit.); hierher gehören neben dem Frontalis, Occipitalis und Temporaiis auch die Sternocleidomastoidei und der obere Theil des Cucullaris. Diese bisweilen durch die beim Schlafen innegehaltene widernatürliche Körperhaltung hervorgerufene Xyalgie kann bei genauer Untersuchung leicht diagnosticirt werden und soll unter Umständen die Ursache des Kopfschmerzes darstellen. h) Was die Eigenthümlichkeiten und den Verlauf des mit Quintusaffectionen im Zusammenhang stehenden Kopfschmerzes betrifft, so unterliegt er hinsichtlich der Qualität und Localisation einer erheblichen Menge von Nuancen: während der Eine ihn als dumpf und bohrend, bezeichnet ihn der Andere als brennend und stechend, während er bei dem Einen hauptsächlich in der Stirn sitzt, klagt der Andere über den Hinterkopf, Scheitel, Schläfe u. s. w.; in vereinzelten Fällen bezeichnen die Patienten scharf umschriebene Stellen der behaarten Kopfhaut als Sitz des Schmerzes. Auch der Grad ist äusserst verschieden, er wechselt vom dumpfen Drucke bis zum unerträglichen, die Nachtruhe raubenden Schmerze, der manch- mal beim Befühlen und Beklopfen noch exacerbirt, bei Anderen durch festes Umschnüren des Kopfes gemildert mrd. Nur in seltenen Fällen dauert er Tage. Wochen, selbst Monate hindurch ununterbrochen fort, meist ist er zeitweise milder oder er hört vorübergehend ganz auf. Bestimmte Normen lassen sich für diesen Wechsel zwischen Wohl- und Uebelbefinden nicht aufstellen, fast jeder Fall ist von dem anderen verschieden und bietet nach irgend einer ßichtung hin Be- sonderheiten ; so kommen in dem einen bisweilen leichte Fieberbe- wegungen vor, die in dem anderen fehlen, der eine erfreut sich während der heftigsten Schmerzen eines gesunden Hungers, der andere ist appetitlos u. s. w. Einige Eigenthümlichkeiten bietet, wenigstens in einzelnen Fällen, der sogenannte Migräneanfall, von dem wir hier noch Einiges hinzuzufügen haben. Demselben gehen gewöhnlich während einiger Stunden P r o d r o- m a 1 e r s c h e i n u n g e n voraus, welche in all gemeiner Abgeschlagenheit. Frösteln, Neigung zum Gähnen. Ohrensausen u. dergl. bestehen; stellt sich der eigentliche Airfall des Morgens ein, so erwachen die Patienten die vorhergehende Nacht öfters und wissen den Beginn der Attake mit Sicherheit voraus. Die Kopfschmerzen beschränken sich bisweilen, me bemerkt, auf eine Kopfhälfte, wobei die linke numerisch bevorzugt zu sein scheint; oft aber wechselt der Sitz des Schmerzes während eines Anfalles, so dass der Patient bald über die rechte, bald über die linke Hälfte klagt. Manchmal lässt sich con- statiren, dass der Kranke auf der befallenen Seite während des Anfalles erblasst, wobei Pupillenerweiterung und vermehrte Speichel- absonderung beobachtet wird, manchmal wieder ist das Gesicht halb- seitig geröthet, heiss, die Arterien pulsiren stark, die Pupille ist verengt —^ im ersteren Falle bezeichnet man die Hemicranie als spastische (sympathico-tonica, mit Sympathicusreizung verbunden), im letzteren alsparaly tische (mit Sympathicuslähmung verbunden), die erstero hat Du Bois-Reymond, die zweite Möllendorf^ beide nach Beobachtungeii](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218675_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)