Gewebelehre mit besonderer Berücksichtigung des menschlichen Körpers.
- Schiefferdecker, Paul, 1849-1931.
- Date:
- 1891
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Credit: Gewebelehre mit besonderer Berücksichtigung des menschlichen Körpers. Source: Wellcome Collection.
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![Technische Bemerkungen. 1) Präparate von eben dem Körper entnommenem Blute. Man nehme einen Objectträger mit einem feinen Lackringe, damit das Deckglas nicht auf die Körperchen drückt. Man umgebe den Deckglas- rand mit einem Oel- oder Wachsrahmen, um die Verdunstung auszuschliessen, wenn man längere Zeit beobachten will ohne Reagentienzusatz, sonst natür- lich ohne Rahmen, a) Menschliches Blut. Man glühe einen Augen- blick eine Nähnadel, um sie zu desinficiren, und steche sich in eine Finger- spitze, drücke die Fingerbeere oberhalb zusammen, tupfe den vorquellenden Blutstropfen mit dem Objectträger ab und lege sehr schnell das schon vorher gereinigte Deckglas auf. In den ersten Sekunden sieht man noch ziemlich normale Blutplättchen, die anderen Körperchen halten sich länger. — Weiter setze man zu frischem Blute Jodserum, physiologische Kochsalz- lösung, um die Einwirkung zu beobachten; ferner Wasser, verdünnte Essig- säure, starke Kalilauge, die man später durch Wasserzusatz verdünnt; etc. Zur Conservirung fixire man einen Tropfen Blut durch Osmiumdampf oder auch durch Mischen mit einer lprocentigen Lösung der Ueberosmiumsäure. Ferner mische man einen Tropfen Blutes mit HERMANN'scher Lösung, bei der die Leukocyten mit ihren Kernen und die Blutplättchen gut hervor- treten. Um die Kerne der Leukocyten gut isolirt zu sehen, mische man auf dem Objectträger ein Tröpfchen Blut mit Eisesssig. Auch Mischungen mit anderen Reagentien: Sublimat (einprocentige wässerige Lösung und schwächer), Pikrinsäure (wässerige concentrirte Lösung), MÜLLER'scher Flüssigkeit etc. geben interessante Bilder. — Wünscht man die amöboiden Bewegungen der Leukocyten zusehen, so verwendet man am besten einen heizbaren Objecttisch bei Körpertemperatur. — Fibringerinnung tritt verschieden schnell ein, man muss sehr aufmerksam beobachten, um die ersten feinen Fädchen zu sehen. —- b) Frisches, d i r e c t dem T h i e r e entnommenes Säugethierblut. Mit solchem kann man die oben an- gegebenen Conservirungsmethoden und Einwirkungen von Reagentien der verschiedensten Art in Schälchen vornehmen. Man lässt die Blutstropfen direct in das Reagens fallen und rührt sofort um. — An den Flügeln von Fledermäusen vermag man den Blutstrom direct im Körper zu beobachten (Laker 8, CXVI p. 28). — c) Kernhaltige Blutkörperchen (Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische). Am bequemsten nimmt man Blut von Frosch, Triton, Salamandra, Proteus, da dieses ausgezeichnet ist durch die Grösse der Körperchen und der Kerne in denselben. Man verdünne das Blut mittels einer 0,55 bis 0,60procentigen Kochsalzlösung (Bizzozero), der man, um Kernfärbung zu erhalten, Methylviolett etwa im Verhältnis von 1:10000 zusetzt (1 bis 2 bis 3 Tropfen einer concentrirten, lprocen- tigen, wässerigen Lösung von Methylviolett zu einigen Gramm Kochsalz- lösung, immer frisch bereiten, den Färbungsgrad der Flüssigkeit am besten erst ausprobiren: die rothen Blutkörperchen müssen sich nicht verändern, namentlich sich auch nicht entfärben [Bizzozero 8, XCV p. 4]). — Amöboide Bewegungen der Leukocyten bei Stubentemperatur. — Man lasse wieder die verschiedensten Reagentien einwirken. — Man beobachte](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21208219_0404.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)