Der Aderlass : eine monographische Studie / von Alexander Strubell.
- Strubell, Alexander.
- Date:
- 1905
Licence: Public Domain Mark
Credit: Der Aderlass : eine monographische Studie / von Alexander Strubell. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
152/198 page 142
![7—9 pCt. des Gesamtblutes jeweilig sich in der Lunge befinden und dass dieser kleine Teil genügt, um den Organismus ausreichend zu ventilieren. Diese Resultate können aber noch eine andere Nutzanwendung finden. Nehmen wir bei unserem Hunde von 5100 g das Gesamtblut zu 7 pCt. des Körpergewichtes und das Lungenblut zu 7 pCt. der Gesamtblutmenge an, so hat das Tier 357 ccm Blut im ganzen und 25 ccm Blut in den Lungengefässen. Würde demnach in der Nähe der Lunge entweder am Beginn der Arterienbahn oder am Ende der venösen ein Quantum Blut von 20 ccm entleert, so ist das beinahe soviel, als die Lunge des Tieres normaliter überhaupt enthalten soll. Auf den Menschen übertragen würde bei einem Manne von 65 kg die Gesamt- blutmenge 5 kg und das Lungenblut zu 7 pCt berechnet, 350 ccm be- tragen. Ein gewöhnlicher Aderlass von 250 g würde also ein für die Lungencirkulation sehr beträchtliches Quantum kurz vor dem Zufluss zum rechten Herzen entleeren. Diese Ueberlegungen therapeutischer Natur werden aber noch über- troffen an Wichtigkeit durch pathologisch-physiologische P]rwägungen, die sich an diese Thatsache knüpfen lassen. Wenn wir den intrathorakalen Druck unseres Hundes bei normaler Blutfüllung von 7 pCt. und beim Gleichgewicht zwischen Inspiration und Expiration auf 138 = 0 setzen, so befinden sich also während dieser Zeit etwa 25 ccm Blut in der Lunge. Wenn nun zwei Infusionen von insgesamt 120ccm den intrathorakalen Druck von 137 = — 1 auf 151 = -}-13, im ganzen also um 14 mm gesteigert haben, so muss man sich vergegenwärtigen, dass während dieser Infusionen, während deren de/ arterielle Druck beträchtlich sank, der Lunge ausser dem normalen Quantum von 25 ccm noch 120 ccm dar- über, im ganzen also die sechsfache Menge des normalen, zugeführt und gleiche Zuflüsse aus den Venen vorausgesetzt zum grossen Teil dort retiniert oder wenigstens sehr langsam abgegeben worden ist. Diese in den Lungen momentan angehäufte Menge von 145 ccm entspricht nicht viel weniger als zwei Fünfteln der angenommenen Gesamtblutmenge. Die Lunge dieses Tieres ist also im stände, ohne weiteres 40 pCt. der Gesamtblutmenge in ihren Gefässen aufzunehmen. Diese hohe Zahl ist äusserst frappierend und erinnert an die Behauptung Bellingers, dass bei der krupösen Pneumonie, wo es freilich die Alveolen der Lunge sind, die bei der Exsudation so viele rote Blutkörperchen aufnehmen, sich die Menschen in ihre eigene Lunge verbluten. Die pneumonische Lunge ist in der That ausserordentlich vergrössert: es scheint als ob die Lungengefässe den Alveolen an Aufnahmefähigkeit nicht nachstehen. Die Thatsache, dass das Gefässsystem sehr grosse Blutmengen ohne nennenswerte Aenderungen des Arteriendruckes aufnehmen kann, wird von Worm-Müller durch eine Ueberdehnung der Kapillaren und der kleinen Venen erklärt. Worm-Müller hat bei den Sektionen seiner Versuchstiere, die Lungen und die Leber ausgenommen, keine vor- wiegende Blutanhäufung an einem Orte gefunden, nach ihm muss also](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167485_0152.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image