Der Aderlass : eine monographische Studie / von Alexander Strubell.
- Strubell, Alexander.
- Date:
- 1905
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Credit: Der Aderlass : eine monographische Studie / von Alexander Strubell. Source: Wellcome Collection.
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![v. Jaksch(56) will bei Vergiftung mit Gasen, wie Schwefelwasserstoff, Arsenwasserstoff, Lustgas nach Narkose, Leuchtgas, Kohlenoxyd, neben Einleitung künstlicher Respiration den Aderlass mit nachfolgender Trans- fusion angewendet wissen. Bei der akuten Kohlenoxydvergiftung ist ein sofortiger ausgiebiger Aderlass, bei dem mindestens 300—400 ccm Blut entleert werden, das souveräne Mittel, v. Jaksch (56) hat, was, wie er meint, kein Zufall sein kann, seitdem er so vorgeht, keinen Fall von Kohlenoxydvergiftung verloren. Das Stadium der Bewusstlosigkeit wird auffallend abgekürzt und die Kranken erholen sich ungemein rasch. Doch muss man, um diese Wirkung zu erzielen, dem Aderlass unmittelbar eine Kochsalzinfusion von 1000 ccm und mehr nachfolgen lassen. Halten auch jetzt komatöse Erscheinungen an, so empfiehlt v. Jaksch, den Kranken in ein warmes Bad zu setzen und ihn mit kaltem Wasser zu übergiessen. Er betont aber, dass, seit er jedesmal Aderlass und Koch- salzinfusion anwendet, er damit sein Auskommen fand. Auch Hayem, Gordon u. a. verfahren so. Die Behandlung der Kohlenoxydvergiftung mit dem Aderlass hat schon Peter (61) empfohlen im Anschluss an einen im Höpital Necker beobachteten Fall: Nach einem Aderlass besserte sich der Zustand seines Pat. sofort erheblich und nach zwei Tagen verschwand die zurückgeblie- bene Paralyse und Muskelrigidität [nach Peter (61) eine Folge der Hyper- ämie der Rückenmarkshäute] und Albuminurie (infoige Nierenhyperämie) auf lokal applizierte Schröpfköpfe. Raynaud (62) sah Erfolg von Ader- lass und Kochsalzinfusion bei Vergiftung mit Kohlenoxyd, Strychnin und Blei, Cleveland bei Wassergasintoxikation. Cleveland's (53) Pat. war nach zwei Stunden sehr gebessert, nach vier Stunden trat Rückkehr des Schlingvermögens ein; der Fall war sehr schwer und durch das in Amerika jetzt allgemein gebräuchliche Wassergas bedingt, das an CO reicher ist als Leuchtgas. Torrance(64) sah einen günstigen Einfluss derVenaesektion und Koch- salzinfusion bei Delirium tremens. Sein Fall bietet Interesse wegen der Wirkung der intravenösen Injektion auf die Temperatur und das All- gemeinbefinden, wegen der prompten Reaktion des Pat. auf den Aderlass und die Infusion, ohne welche eine Wiederherstellung des Pat. als aus- geschlossen galt. Alkohol und Opium kamen nicht zur Verwendung. Hirsch und Edel (55) und in einer anderen Arbeit Lewin (181) be- richten über einen und denselben Fall von Vergiftung mit Phenylhydro- xylamin: Ein Student der technischen Hochschule in Charlottenburg zer- brach beim chemischen Arbeiten eine Flasche mit alkoholischer Lösung von Phenylhydroxylamin, ihre Lösung floss über seine Kleider und be- netzte den Unterleib und die Innenfläche der Schenkel. Er fühlte sofort ein intensives Brennen auf der Haut und ging heraus, um einen feuchten Umschlag aufzulegen. Nach 15 Minuten wurde er komatös und pulslos daliegend gefunden. Er wurde nun rasch ins Spital gebracht: Die Lippen und Schleimhäute waren graublau, die Haut der Extremitäten war intensiv blau gefärbt, was stark mit der Leichenfarbe des übrigen Körpers kon-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167485_0044.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)