Der Aderlass : eine monographische Studie / von Alexander Strubell.
- Strubell, Alexander.
- Date:
- 1905
Licence: Public Domain Mark
Credit: Der Aderlass : eine monographische Studie / von Alexander Strubell. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![nach verhältnismässig grossen Blutverlusten das Gefässsystem fähig ist, sich dem geringeren Blutvolumen binnen kurzer Zeit ohne sehr wesent- liche Druckabnahme zu adaptieren, ist einer methodischen Untersuchung von Seiten der pathologischen Physiologie wert. Sie verdient in der ärztlichen Praxis die genaueste Berücksichtigung. Es ist seit langer Zeit Sitte gewesen, Aderlässe anzuwenden in der ausgesprochenen Absicht, um das Gefässsystem zu entlasten, um ihre Spannung herabzusetzen. „Dagegen ist an und für sich kein Einwand zu erheben. Wenn man das aber tut, so muss man wiederholt gemachte Erfahrungen berück- sichtigen, dass die Entleerung eine sehr reichliche sein muss, wenn man selbst für einige Minuten ein nennenswertes Herabsinken des Druckes hervorbringen will, und dass diese reichlichen Aderlässe wiederholt werden müssen, wenn man eine dauernde Herabsetzung des Druckes beabsichtigt. Ein Aderlass von 350 — 470 ccm, wie er von vielen Aerzten bei erwach- senen Individuen instituiert wird, kann kaum ein vorübergehendes Herab- sinken der Spannung unmittelbar nach der Blutentziehung hervorbringen, ist also im beabsichtigten Sinne so gut wie wirkungslos. Es ist deshalb, wenn man die Spannung wirklich vermindern will, die Methode der reich- lichen und wiederholten Aderlässe, wie sie besonders in Italien geübt wurden, physiologisch wohl begründet. Leider ist sie aber häufig genug eine fehlerhafte geworden dadurch, dass bei der Aufstellung der Indi- kation andersartige physiologische Erfahrungen vernachlässigt worden sind. Als solche werde ich [d. h. Worm-Müller (229)] hier ausser der grossen Bedeutung der roten Blutkörperchen für die innere Atmung und der nicht zu unterschätzenden Wichtigkeit der weissen Blutzellen, die im Versuch VIII gemachte Beobachtung hervorheben, dass der Druck bei der Wiederholung nicht immer allmählich herabgeht, sondern plötzlich auf eine sehr niedrige das Leben bedrohende Druckhöhe sinken kann: 151 Sek. nach einem Blutverluste von 2,82 pCt. betrug der Druck 112 mm; 252 Sek. nach einem Blutverluste von 3,76 pCt. nur 48 mm. Es ist also schon auf Basis der physiologischen Erfahrungen ersichtlich, dass die reichlichen Aderlässe überhaupt bloss in einer begrenzten Zahl von Fällen Anwendung finden können, dass aber die wiederholten reich- lichen Aderlässe mit der grössten Vorsicht auf eine noch viel geringere Zahl beschränkt werden müssen. Es ist die Aufgabe der Pathologen, diese Zahl und ihre Indikation mit Zuhilfenahme der physiologischen Beobachtungen zu formulieren. b) Wurde dagegen ein Aderlass an dem Tiere vorgenommen, das schon Bluteinspritzungen erfahren, so konnte in der Regel ein grösserer absoluter Blutverlust ohne sehr bedeutende Herabsetzung des Drucks ertragen werden. 2. Vergleicht man dagegen die restierenden Blutmengen nach den Aderlässen an unversehrten und an vorher überfüllten Tieren, so ergibt sich, dass die zur Erhaltung der normalen Blutdrücke notwendigen Blut- mengen in dem letzten Falle weit grösser, vielleicht um das Doppelte oder noch mehr sein müssen als im ersten.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167485_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)