Die babylonische Kosmogonie und der biblische Schöpfungsbericht : ein Beitrag zur Apologie des biblischen Gottesbegriffs / von Aloys Kirchner.
- Kirchner, Aloys, 1880-
- Date:
- 1910
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Credit: Die babylonische Kosmogonie und der biblische Schöpfungsbericht : ein Beitrag zur Apologie des biblischen Gottesbegriffs / von Aloys Kirchner. Source: Wellcome Collection.
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![öfters, wo wir ilm erwarten würden. Keil macht mit Hecht darauf anfmerksam, daß dies l)esonders olt in diclderischer Spi'ache gescliehe; tehöm sei aber ein eminent dichteii.sches Wort'). Ül)ri- gens ist auch tehöm zweimal mit dem Artikel veiHnnden, nämlicli .Js (i:}, l;i imd Ps 10(‘), U“ ->). Wenn man ferner eine Üliereinslinmumg der ])al)ylonisclien und hihli.schen Kosmogonie in der Anscliaimng findet, daß Himmel und Erde durcli eine Scheidung des Urstoffes in zwei Teile entstehen, so ist zunächst wieder zu beachten, daß die- selbe Vorstellung auch anderen antiken Völkern, den Ägyptern, Phöniziern und Indern, angehörtDie Erklärung die.ser kosmo- gonischen Anschauung bietet ebenfalls wieder das von der Antike vertretene Weltbild •*). Diesem zufolge besteht das All aus zwei großen sichtbaren Hauptbestandteilen, und die Bildung der Welt aus der Masse des Urstoffes bedingt mithin eine Scheidung des- selben in zwei Teile. Auch die babylonische Vorstellung von der Spaltung Tiamats vermag ohne Bezugnahme auf das Weltbild nicht erklärt zu werden und kann mit der neueren Kritik keineswegs aus den zu Frühjahrsbeginn auf dem babylonischen Boden sich abspielenden Naturvorgängen hergeleitet werden. Zunächst ist die Spaltung des Chaos in zwei Hälften mit der Zertrennung der Winterwasser in die mannigfachsten Teile und der Zerstreuung denselben nach den verschiedensten Richtungen hin in keiner AV^eise identi.sch. Sodann stellt die eine von Marduk in die Höhe erhobene Tiamathälfte nicht die Region der Wolken dar, sondern vielmehr das Flimmelsmeer der Antike, wie aus den Vorstellungen von der Schranke und den Wächtern, mit denen Marduk die oberen ^Vas.ser Tiamats versieht, unzweideutig hervorgeht. Wenn aber Gn 1 und Enuma elis auch in dem Weltbilde übereinstimmen,^so wird andrerseits ihre völlige Unabhängigkeit voneinander gerade durch den Umstand hewdesen, daß ihre Schil- derungen, welche das Weltbild voraussetzen oder an dasselbe an- knüpfen, durchaus selbständig gedacht und durchgeführt sind. Die Spaltung Tiamats durcli Marduk und die Scheidung des Urmeeres in die oberen und unteren Gowilsser (Gn 1) können in keiner ') Pastor bonus XV. .lalirg. 3. Heft 109. -) Nikel, Genesis und Keilseliriftfor.scliung 70. ■'') Vgl. Gunkel, Gene.sis^ 107. ') Nikel, Genesis und Keilsebrifltorseluing 75.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24876811_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)