Die babylonische Kosmogonie und der biblische Schöpfungsbericht : ein Beitrag zur Apologie des biblischen Gottesbegriffs / von Aloys Kirchner.
- Kirchner, Aloys, 1880-
- Date:
- 1910
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Credit: Die babylonische Kosmogonie und der biblische Schöpfungsbericht : ein Beitrag zur Apologie des biblischen Gottesbegriffs / von Aloys Kirchner. Source: Wellcome Collection.
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![stizisinus behauptet und nälierliin den Eiiiflufs de.s (Jrienl.s auf die Ausgestaltung der Cinosis naehgewiesen hat'). Bei aller Neuheit der Form, in der die Gnosis sich darbietet, kann vor allem das babylonische Element in ilir nicht verkannt werden. Ein aus- gesprochener Spiritualismus hat sich zwar an dem überkommenen Stoffe betätigt; aber gerade der Umstand, daß in und aus dem Spiritualismus der Gnostiker verschiedene Bestandteile ihrer Lehre keine Erklärung finden, weist wieder darauf hin, daß der Gno- stizismus fremde Gedankenkreise übernommen hat. Was des Näheren die kosmogonischen Ideen der Gno.stiker angeht, so kann ein Zusammenhang derselben mit den babylonischen Vorstellungen nicht in Zweifel gezogen werden, und die eingehende Unter.suchung dürfte enge Bezielmngen zwischen der babylonischen und gnostischen Kosmogonie ergeben. All den verschiedenen Formen und Systemen, in denen der Gnostizismus seine Gedanken über die Weltentstehung zum Aus- druck gebracht hat, ist zunächst ein Grundelement mit der baby- lonischen Kosmogonie gemeinsam, nämlich die dualistische Auf- fassung lind Bewertung der Welt. Mag auch in einem gnostischen Systeme — gleichwie in Enuma elis — der Gedanke, daß die Wirklichkeit letzthin aus einem einheitlichen Urgründe hervorging, noch so sehr betont werden, so gelangt doch das gnostische Denken über einen Zwiespalt in der bestehenden Welt nie- mals hinaus. Dieselbe erscheint ihm zusammengesetzt aus einem guten und bösen Prinzipe, aus Licht und Finsternis. Diese dua- listische Idee ist aber wesentlich babylonisch und in den An- schauungen über Tiamat einei'seits und die Götterwelt andrerseits zum Ausdruck gelangt. Im Einzelnen zeigt zunächst die Lehre der Barbelognostiker, wie sie von Philaster (Haer. 33) in wesentlicher Übereinstimmung mit Epiphanius (Plaer. XXV, c. 5) geschildert wird, eine enge Anlehnung an die babylonische Kosmogonie. Philaster berichtet: Dicunt (gnostici) autem et dogmata ponentes ista: Ante erant solum tenebrae et profiindum et acpia, atcpie terrae [Var.: ex bis] divisio facta est in medio, et .spiritus separavit haec elenienta. b Vgl. Anz, Ursprung des Gnostizismus, in: Texte und Untersuchungen, hrsg. von v. Gobliardt und Harnack, XV 4. Heft (Leipzig 1897); Bousset, Hauptprobleme der Gnosis, Göttingen 1907, in: Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments, hrsg. von Bousset und Gunkel, 10. Heft.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24876811_0068.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)