Handbuch der Massage / von Emil Kleen ; autorisirte Uebersetzung aus dem Schwedischen von Gustav Schütz.
- Emil Kleen
- Date:
- 1895
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Credit: Handbuch der Massage / von Emil Kleen ; autorisirte Uebersetzung aus dem Schwedischen von Gustav Schütz. Source: Wellcome Collection.
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![activen und die zusammengesetzten Bewegungen, bei denen die be- treffenden Muskeln mechanische Arbeit verrichten, und diese Be- wegungen haben, wie leicht einzusehen ist, dieselben physiologischen Wirkungen. [Ueber den geringen Unterschied, der in Bezug auf die Muskelzusammenziehungen, Circulatiou u. dergl. zwischen den concentrischen und excentrischen Widerstandsbewegungen wahr- scheinlich vorhanden ist, wissen wir vor der Hand garnichts.] In dem arbeitenden Muskel werden die Gefässe erweitert, eine geräu- migere Strombahn für das Blut entsteht, die musculöse Respiration wird lebhafter, der Stoffumsatz, an dem — wie wir jetzt wohl mit Sicherheit annehmen dürfen — (^bei schwerer Arbeit) sowohl die Eiweissstoffe des Muskels, als auch (vorzugsweise und bei massiger Arbeit ausschliesslich) Fett und Kohlenhydrate Theil nehmen, wird schneller. Der Verbrauch von Sauerstoff und die Production von Kohlensäure wird also vermehrt, ebenso wird die Milchsäure, das Aether- und Alkoholextract, sowie der Wassergehalt vermehrt — dagegen vermindert sich das Wasserextract, die Milchsäure- und Kohlensäure-bildenden Stoffe, die flüchtigen Fettsäuren, das Kreatin, Kreatinin sowie der Zucker. Gleichzeitig vermindert sich die Reiz- barkeit des Muskels; dieser wird, trotz der reicheren Blutfülle, welche die anderen Factoren nicht lange zu compensiren vermag, allmälich müde — und zwar hauptsächlich durch die Ansammlung von Ermüdungsstoffen (Kohlensäure, Milchsäure, saures phosphor- saures Kali etc.), durch Sauerstoftverbrauch und 'urch Mangel au Stoffen, die weiterhin oxydirt werden können. Die W ärmeproduction steigt, und die Temperatur des Blutes im Muskel und des ausser- halb desselben circiilirenden Blutes wird erhöht. Die Secretion der Stickstoff-haltigen Stoffe im Urin ist gesteigert; der Urin, welcher während der Muskelarbeit selbst etwas vermindert wird, wird un- mittelbar darauf in reichlicherer Menge abgesondert. Der eigene Nutritionszustand der Muskeln wird durch Uebung vortheilhaft beeinflusst, und wir wissen alle, dass, ebenso wie zu lange Ruhe eine „Atrophia ex inusu herbeiführt, die Uebung dem Muskel sein normales Volumen wiedergeben oder sogar eine Arheits- hypertrophie hervorrufen kann. So viel über die Einwirkung der Gymnastik auf die Muskebi selbst. Dieselbe hat aber auch nach anderen Richtungen hin eine grosse Bedeutung. Ebenso wie wir mit gutem Grunde (den jeder Student der Medicin kennt) einen trophischen Einfluss auf die Mus- keln von deren betreffenden nervösen Centren her annehmen, so haben](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20402120_0076.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


