Dr. Laurentius Wilde, Leibarzt des Herzogs Albrecht, und die Anfänge der medizinischen Wissenschaft in Preussen / von O. Ehrhardt.
- Oskar Ehrhardt
- Date:
- 1905
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Credit: Dr. Laurentius Wilde, Leibarzt des Herzogs Albrecht, und die Anfänge der medizinischen Wissenschaft in Preussen / von O. Ehrhardt. Source: Wellcome Collection.
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![der einmal gewählten Universität treu blieb, — wenigstens habe ich ihn weder in italienischen Matrikeln und Promotionsvermerken (Ferrara, Padua, Bologna, Siena), noch in den Matrikeln von Frankfurt, Freiburg, Greifswald, Köln, Ingolstadt, Heidelberg, Wien, Straßburg, Rostock, Basel nachweisen können^) — kann kaum einen andern Grund haben als den, daß der freiheitliche Geist, der die Leipziger Hochschule zu einer Hochburg des Humanismus machte, ihn dort festhielt. Einzelne seiner damaligen Studien- genossen sollten ihm später in Preußen wieder begegnen, so die Reformationsprediger Michael Meurer und Johann Poliander, sowie der spätere herzogliche Kanzler Dr. Johann Apel.^) Von Leipzig begab sich Wilde nach seiner Vaterstadt Nürnberg. Ob er dort als Arzt tätig war, erscheint zweifelhaft, da er in dem Verzeichnis der Ärzte im Nürnberger Archiv nicht enthalten ist. Jedenfalls war er in Nürnberg, als Albrecht sich dort 1522 und 1523 längere Zeit zum Reichstage auf hielt und als er mit der Zusammenkunft mit Luther im September 1523 den ersten ent- scheidenden Schritt zum Übertritt zur neuen Lehre tat. Am „abendt des neuen jarstags 1524“ leistete Wilde in Nürnberg den Eid als Leibarzt des Hochmeisters Albrecht, zunächst für ein Jahr. Das eigenhändig geschriebene Original dieser ,,Aydspflichtung“, das ich im Anhang abdrucke, befindet sich im Königsberger Staatsarchiv. Es bietet in mancher Beziehung Interesse: Zunächst durch den ausgesprochen fränkischen Dialekt, dem wir in einzelnen Wortbildungen begegnen, sodann aber auch inhaltlich durch den Hinweis auf die Vertrauensstellung, deren sich der Arzt zu rühmen hatte und die natürlich in jenen politisch und religiös erregten, gefahrdrohenden Zeiten umsomehr Zuverlässigkeit bei allen Beamten Albrechts erforderte, als sich Albrecht schon mit dem Plan der Umwandlung des Ordenslandes in ein weltliches Herzogtum trug. Das Original trägt das Siegel Wildes, zwei un- bekleidete Figuren [wilde Männer], darüber die Buchstaben L. W. D. (Laurentius Wilde Doctor). Zu derselben Zeit als Wilde zum Leibarzt ernannt wurde, hatte Albrecht in Nürnberg drei andere Humanisten für seinen Hof 1) Für Mitteilungen aus den ungedruckten Matrikeln bin ich den Leitern der Universitätsarchive, insbesondere auch Herrn Prof. Knod-Straßburg zu Dank verpflichtet. 2) H. Freytag, Die Beziehungen der Universität Leipzig zu Preußen. Danzig 1902.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22400746_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


