Dr. Laurentius Wilde, Leibarzt des Herzogs Albrecht, und die Anfänge der medizinischen Wissenschaft in Preussen / von O. Ehrhardt.
- Oskar Ehrhardt
- Date:
- 1905
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Credit: Dr. Laurentius Wilde, Leibarzt des Herzogs Albrecht, und die Anfänge der medizinischen Wissenschaft in Preussen / von O. Ehrhardt. Source: Wellcome Collection.
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![jedenfalls scheinen uns das von leidenschaftlichem Haß entworfene Bild, das Speratus von ihm gegeben hat, und die scharfen Urteile Luthers über den ,,Doctor Kröte“ dem Charakter des Crotus nicht gerecht zu werden. So blieb Wilde verlassen am Hof zurück, vom Herzog nach wie vor geehrt und geschätzt, aber manchem wohl auch verdächtig als Angehöriger „Crotianae factionis“. In dieser Zeit fand er Muße seinen ,,Unterricht von der neuen schwitzenden Krankheit in Preußen. Königsberg 1529, 4®“ zu schreiben. Das Buch scheint verloren gegangen zu sein; es wird im ,,Erleuterten Preußen“ Bd. V 103 und bei Pisanski zitiert, aber ich habe mich vergeblich bemüht des Buches habhaft zu werden.^) Anfang 1530 unternahm Albrecht mit seiner Gemahlin eine Reise nach Krakau, und von hier aus sandte er am 3. 3. 1530 Wilde zu dem Herzog Friedrich von Liegnitz, der damals schwer krank lag und der schon im Oktober 1529 Wildes Rat brieflich in Anspruch genommen hatte. Auch in diesem Briefwechsel tritt die Sorge Albrechts hervor, daß der treffliche Arzt ihm ent- rissen werden könnte. Die Tätigkeit Wildes war allmählich so ausgedehnt geworden, daß Albrecht selbst daran dachte einen zweiten Leibarzt zu ge- winnen. Er wandte sich ,,unangesehen das wir albereit einen berumbten leibartzt haben“, an seinen Vertrauensmann Caspar Nützel in Nürnberg (23. X. 1529) mit der Bitte ihm einen ,,ver- ständigen leipartzt“ zu verschaffen; „denn wir Je bisweilen von unser gemahel abreisen, und dieweil wir dieselbige ohn einen artzt nit wol lassen dorffen, für unser person mitler zeit desselbigen nit wenig mangels“. Zunächst blieb indessen Wilde der alleinige Leibarzt; erst nach seinem Weggange wurden zwei Leibärzte angenommen. Die An- forderungen, die Albrecht an seinen Arzt stellte, waren nicht geringe; wir ersehen das aus einem Schreiben des Speratus, Bischofs in Riesenburg und Marienwerder, an den Kanzler Johann Apel (den Nachfolger Fischers), in welchem ein Mediziner Henricus Schweygger empfohlen wird, der dem „diligentissimo Wildio“ helfen könnte. Der Herzog lehnte das Anerbieten sofort ab [30. 5. 1531]. 1) Herr Prof. R. Reicke, wohl der beste Kenner der Weinreichschen Drucke,— und um einen Weinreichschen Druck muß es sich handeln — konnte ebenfalls das Buch nicht mehr erhalten.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22400746_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


