Dr. Laurentius Wilde, Leibarzt des Herzogs Albrecht, und die Anfänge der medizinischen Wissenschaft in Preussen / von O. Ehrhardt.
- Oskar Ehrhardt
- Date:
- 1905
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Credit: Dr. Laurentius Wilde, Leibarzt des Herzogs Albrecht, und die Anfänge der medizinischen Wissenschaft in Preussen / von O. Ehrhardt. Source: Wellcome Collection.
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![Als Hülfe hatte Wilde seinen Knecht Hans Wagner genannt Scharf von Wunsiedel, einen Landsmann; bei ärztlichen Verrichtungen gelegentlich auch einen Apotheker. Geringere Handreichungen, die für den gelehrten Arzt damaliger Sitte gemäß zu gering waren, leisteten ,,Chirurgen und Baiwirer“; so finde ich in den herzoglichen Ausgabebüchern notiert: ,,i Margk Ulrich dem. balbierer, der den vorreyter geheilet, do ehr mit dem schecken gefallen wehr“. Die Tätigkeit Wildes außerhalb seines medizinischen Faches war in den letzten Jahren seines Königsberger Aufenthaltes von den damals auftretenden theologischen Streitigkeiten in Anspruch genommen. Der Laie versteht heute die erbitterten Kämpfe, die z. B. das Auftreten der Schwarmgeisterei im Gefolge hatte, nicht mehr, und doch haben sie damals die Gemüter aufs tiefste erregt; es gab aber auch zu jener Zeit schon Männer, denen die nicht endenden Streitereien, die uns heute wie ein Zanken um des Kaisers Bart erscheinen, mißfielen. Zu ihnen gehörte Wildes naher Freund Crotus Rubianus; vielleicht aber gehörte Wilde auch hierin zur „Partei des Crotus“. Wir finden Wilde beteiligt als herzoglichen Rat bei der Ver- handlung gegen den Prediger Jonas Precelius und dessen Widerruf, ferner bei dem Religionsgespräch zu Rastenburg (29. u. 30. Dez. 1531). Hier las Wilde die Worte der Abendmahlseinsetzung aus dem Neuen Testament, um die sich der Streit drehte, in griechischer Sprache vor, während der Kanzler Apel sie lateinisch und Speratus sie deutsch verlas.^) Bald nach diesem Gespräch, nachdem er noch die Besoldung für das erste Quartal 1532/33 erhalten hatte, begab sich Wilde Anfang 1533 auf Reisen. Das Ziel sollte Breslau sein, wie wir aus einem Brief Johann Apels an den schlesischen Reformator Johann Heß ersehen [6. Jan. 1532]^): ,,Veniet ad vos D. Laurentius Wilde medicus et communis gentilis noster, Crotianae factionis; quem tu observabis diligenter, quid moliatur; an uxorem ducturus veniat, an vero ut salarium apud vos ambiat. Neque enim libenter dimittit hominem meus princeps, qui ut haec humanitati tuae scriberem jussit.“ Ein gleichzeitiger Empfehlungsbrief des Herzogs an Vipertus Schwöb, ,,der rechten doctor, sindicus zu Breslaw“, 1) cf. Paulus Speratus „Gantzer handel der Unterredung vom abendmahl“ K. St.-A. und Tschackert, Urkundenbuch I p. 195. 2) cf. Tschackert, Urkundenbuch II No. 831.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22400746_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


