Physiologisches Practicum : eine Anleitung für Studirende zum Gebrauch in practischen Cursen der Physiologie.
- Friedrich Wilhelm Julius Schenck
- Date:
- 1895
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![Mechanische Reizung des Nerven. ]_]_ Es darf nicht vergessen werden, Nerv und Muskel während der Versuche mit physiologischer Kochsalzlösung feucht zu halten. Mechanische Reizung. Der Nerv wird mit einer Pincette ge- quetscht oder mit einer Nadel gestochen oder mit der Scheere durchschnitten: der Muskel zuckt. Beim Quetschen erhält man nur sicher dann eine Contraction, wenn man schnell drückt. Bei lang- samer Drucksteigerung ist der Erfolg unsicher. Hat man den Nerven an einer Stelle durch Quetschen gereizt und reizt nun ein zweites Mal centralwärts von der ersten Stelle, so zuckt der Muskel nicht. Die Reizleitung im Nerven ist also an unversehrte Con- tinuität desselben gebunden und die Leitungsfähigkeit wird durch mechanische Insulte vernichtet. Die mechanische Reizung ist experimentell zuweilen angewendet worden, weil bei ihr die Fehlerquellen der elektrischen Reizung, wie Stromschleifen und unipolare Wirkungen (siehe Kapitel IV) ausgeschlossen sind. Man hat besondere Apparate zur mechanischen Reizung construirt, unter denen der mechanische Tetanomotor von Heidenhain (Physiologische Studien, Berlin 1856 und Moleschott's Untersuchungen IV, S. 124, 1858) der bekannteste sein dürfte. Der Nerv wird hier durch ein auf ihn aufschlagendes Hämmerchen gereizt. Die bisher geübte Methode der mechanischen Reizung hatte das Miss- liche, dass die gereizte Stelle durch den Reiz zu sehr geschädigt wurde. In neuester Zeit ist diese Methode von J. v. Uexküll vervollkommnet worden (Zeitschrift für Biologie, Bd. XXXI). Derselbe stellt folgende Grundsätze für die mechanische Reizung ohne Schädigung der Nerven auf: 1. Sind Hammer und das Widerlager, auf dem der Nerv aufliegt, zu starr, so wird der Nerv geschädigt, sind sie zu nachgiebig, so tritt keine Er- regung ein. Man muss daher das Widerlager um so nachgiebiger machen, je starrer der Hammer ist, und umgekehrt den Hammer um so nachgiebiger, je starrer das Lager. So legt man den Nerven am besten auf eine Flüssigkeit oder hängt ihn frei auf, wenn übermässige Schläge mit harten Gegenständen ertheilt werden sollen, und legt ihn anderseits auf eine feste Glasplatte, wenn z. B. Luftstösse ihn erregen sollen. 2. Der Stoss muss möglichst kurz sein, so dass Erschütterung des Nerven erfolgt. Druck, Dehnung, regelmässige Schwingungen reizen den Nerven nicht, wenn sie nicht von Erschütterung begleitet sind. 3. Endlich ist möglichste Localisirung des Reizes wünschenswerth. v. Uexküll giebt mehrere Apparate an, mit denen der Nerv erfolg- reich ohne Schädigung mechanisch gereizt werden kann. Siehe darüber die Originalabhandlung. Von den Versuchen, die v. Uexküll beschreibt, ist besonders be- merkenswerth die mechanische Reizung des Nerven durch Ent- lastung, die am einfachsten so beobachtet wird: Man legt den gut be- feuchteten Nerven auf eine feste Glasplatte auf und drückt ihn mit einem hakenförmig gekrümmten 1 mm dicken Glasstabe langsam zusammen. Wenn man ganz gleichmässig den Druck zunehmen lässt, wird der Nerv nicht erregt. Nun hebt man den Stab plötzlich mit der Hand auf: der Muskel zuckt. Thermische Reizung. Man berührt den Nerven mit einer über einer Flamme heiss gemachten Stricknadel oder taucht sein Ende](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21208244_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)