Beitrage zur Pathologie der Thrombose des Sinus cavernosus und zur Pathogenese der Stauungspapille / von Ewald Judeich.
- Judeich, Ewald.
- Date:
- 1900
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Credit: Beitrage zur Pathologie der Thrombose des Sinus cavernosus und zur Pathogenese der Stauungspapille / von Ewald Judeich. Source: Wellcome Collection.
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![die rückläufige Centraivene von Vossius zu denken. Sie ist aber in unserem Fall nicht vorhanden. Diese Vene soll be- kanntlich in der Achse des Sehnerven bis zum Canalis opticus verlaufen. Wohl zweigt sich bei uns da, wo die Centraivene anfängt, aus der Achse des Sehnerven herauszutreten, um im Gefässspalt nach abwärts zu verlaufen, ein Aestchen von ihr ab, das ein Stück in der Achse nach rückwärts führt. Es löst sich aber sehr bald in feinere Zweige auf, die sich im Sehnerven verlieren. Allerdings ist die Möglichkeit nicht ganz abzuweisen, dass diese Aestchen durch eventuelle Communication mit Venen- ästchen in den radiären Septen, die ihr Blut den an der Innen- seite der Piaischeide verlaufenden Venenstämmchen zuführen, doch einen Teil des Abflusses besorgt haben. Es ist also die rückläufige Centraivene von Vossius als ein nicht constanter Befund anzusehen. Dies wird uns auch nicht Wunder nehmen, da ja das venöse Stromgebiet der Orbita so viele individuelle Verschiedenheiten zeigt. Nachzutragen ist noch, dass auch der Abfluss der Schlingen, in die der vordere Ast der Vena centralis mündet, in eine Vene erfolgt, die zu dem Gebiet der Ophthalmica inferior gehört, die Vena centralis somit völlig in das Bereich diesen Hauptvene fällt. Wie schon hervorgehoben wurde, bietet uns der Opticus die Erscheinung der Fuchs'sehen, peripheren Atrophie1). Diese besteht darin, dass sich zwischen der pialen Scheide und dem Opticus ein faseriges, kernhaltiges Gerüstwerk befindet. Nach dem Opticus zu ist dieses Fasergerüst entweder durch ein Septum abgegrenzt — sogenannte periphere Septen des Opticus — oder es kann diese Grenze auch fehlen. Ueber die Natur dieses Ge- rüstes herrschen verschiedene Meinungen. Vielleicht trägt auch diese Arbeit etwas zur Erklärung bei. Zwei Anschauungen sind hauptsächlich vertreten. Die eine hält die Atrophie für etwas pathologisches, die andere für etwas normales. Fuchs hält sie zwar für eine constante Erscheinung, neigt sich aber der Auf- fassung zu, dass sie im wesentlichen bedingt ist durch einen pathologischen Umwandlungsprocess des Nervengewebes. Die andere Auffassung [Greef2)] erblickt in der peripheren Atrophie einfach einen Gliamantel, der so wie das Gehirn auch den Opticus umgiebt. Fuchs sagt, dass die periphere Atrophie dann be- sonders schön zu Tage tritt, wenn der subpiale Lymphraum injiciert wird. In unserem Fall hat die Natur die Injection selbst besorgt, wir werden daher auch die periphere Atrophie gut daran studieren können. Es sei zunächst bemerkt, dass sich in vor- liegendem Fall die periphere Atrophie im Gegensatz zu den Fällen, die Fuchs vorgelegen haben, bis zur Lamina cribrosa erstreckt und sich nach rückwärts bis zum optischen Kanal ver- folgen lässt. Im Canalis opticus selbst ist sie nur noch in Spuren 1) Fuchs, Graefe's Archiv 31. Bd., Aufl. I, 1885. 2) Handbach von Graef e-Saemis ch.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21646661_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


