Geschichte der chemie von den ältesten zeiten bis zur gegenwart : Gugleich einführung in das studium der chemie / Von Ernst von Meyer.
- Ernst von Meyer
- Date:
- 1889
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Credit: Geschichte der chemie von den ältesten zeiten bis zur gegenwart : Gugleich einführung in das studium der chemie / Von Ernst von Meyer. Source: Wellcome Collection.
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![war schon vor längerer Zeit, namentlich in Frankreich, erkannt worden.x An deutschen Hochschulen fehlte in den ersten Dezennien unseres Jahrhunderts auch dieses Hilfsmittel des Unterrichtes fast gänzlich, herrschte doch die sogenannte Naturphilosophie derart, daß die Ent- wicklung der exakten Naturforschung arg verkümmerte. Uie Chemie insbesondere wollte man von jener Seite gar nicht als Wissenschaft anerkennen; sie wurde zu einer Experimentierlmhst degradiert. Infolge von Davy's Bemühungen, welche durch ein ungewöhn- liches Talent im Erdenken und Ausführen von Experimenten unterstützt wurden, mag sich zu Beginn dieses Jahrhunderts allmählich der Sinn für Vorlesungen, deren Inhalt durch erläuternde Versuche an Klarheit gewinnen sollte, entwickelt haben. Bekannt ist, daß die Vorträge von Marcet in London es waren, welche Berzelius im Jahre 1812 be- wogen, die alte Unterrichtsmethode aufzugeben und an der Hand von Experimenten die Studierenden in die chemische Wissenschaft einzu- führen; sein Erfolg war durchschlagend. Auf das, was sodann Lieb ig, Wöhler, Bimsen, Kolbe, namentlich A. W. Hof mann, durch Er- sinnen neuer Vorlesungsversuche geleistet haben, braucht hier nur kurz hingewiesen zu werden. Hire und anderer Experimente haben sich überall, wo Chemie anschaulich gelehrt wird, eingebürgert. Der praktische Unterricht in dem chemischen Laboratorium ist so, wie er heutzutage meist geleitet und durchgeführt wird, von Liebig zur Entwickelung gebracht worden. Dadurch, daß nach seinem Vorgange in den Laboratorien nach und nach eine auf streng wissen- schaftlicher Grundlage ruhende Lehrmethode eingeführt ist, wurde das wirksamste Gegengewicht geschaffen gegen die damals noch herrsehende naturphilosophische Richtung, welche gerade Liebig am lebhaftesten bekämpfte, da er den unheilvollen Einfluß derselben an sieh seihst zu erfahren gehabt hatte.2 Er hob zuerst mit allem Nachdrucke hervor, daß der Schwerpunkt des chemischen Studiums nicht in den Vor- lesungen, sondern in den praktischen Arbeiten liege. Mit welcher Energie und welchen Opfern er diesen Grundsatz bethätigt hat, ist be- kannt.8 Vor ihm hat zwar Berzelius in seinem Laboratorium ein- zelne, meist ältere Schüler unterrichtet, und diese haben die Lehren des Meisters weiter getragen, aber die eigentliche Ausbildung des che- mischen Unterrichtes verdankt man Liebig. Er hat die Reihenfolge der einzelnen Abschnitte desselben in mustergiltiger Weise vorgeschrie- ben: die systematische Erlernung der qualitativen, dann der quantita- 1 Vergl. ßouelle's Wirken S. 98 Anm., ferner S .141. - Vergl. s. 213; : Vergl. Kolbe's Ebinnerungsschrifl (Journ. pr. Chemie [2] 8. 435 ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21013445_0457.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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