Tuberkulin und Organismus : eine kritische und literarische Studie zur Wertung des Alttuberkulins in der Gegenwart nach biologischen Gesichtspunkten und auf Grund der bisherigen Erfahrungen : dem Internationalen Tuberkulosekongress zu Paris 1905 gewidmet / von F. Köhler.
- Köhler, Fritz, 1874-
- Date:
- 1905
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Credit: Tuberkulin und Organismus : eine kritische und literarische Studie zur Wertung des Alttuberkulins in der Gegenwart nach biologischen Gesichtspunkten und auf Grund der bisherigen Erfahrungen : dem Internationalen Tuberkulosekongress zu Paris 1905 gewidmet / von F. Köhler. Source: Wellcome Collection.
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![Herden, insonderheit beim Lupus, zu beobachten ist, besteht in einer Schwellung und Lötung der spezifisch erkrankten Stellen. Die anatomi- schen Veränderungen werden uns noch eingehend beschäftigen. In einer weiteren Publikation veröffentlichte Koch1) den Gang seiner Beobachtungen. Impft man ein gesundes Meerschwein- chen mit einer Tuberkelbazillenreinkultur, so findet meist eine Ver- klebung der Impfwunde statt. Im Laufe von etwa 14 Tagen bildet sich ein hartes Knötchen, das bald auf bricht und nun eine Ulceration unterhält. Impft man dagegen ein bereits tuberkulöses Meerschwein- chen, so verklebt zwar die Wunde, aber die Knötchenbildung bleibt aus. Die Impfstelle wird sehr bald hart, die Haut nekrotisiert, stößt sich schließlich ab, so daß eine flache Ulceration zurückbleibt, welche gewöhnlich bald heilt. Ferner war von Interesse, daß abgetötete Tuberkelbazillenreinkulturen, in Wasser zerrieben, gesunden Meer- schweinchen ohne dauernden Schaden in großer Menge injiziert werden können, tuberkulöse Meerschweinchen können durch nur sehr kleine Mengen aufgeschwemmter Tuberkelbazillenkulturen am Leben erhalten und merklich gebessert werden. Die Bereitung des Tuberkulins geschieht aus Kulturen der Tuberkelbazillen, zu denen Nährbouillon mit einem Zusatz von 5-proz. Glycerin genommen wird. Diese Kulturen werden durch Ab- dampfen auf den 10. Te^l ihres Volumens eingeengt und filtriert. Das Filtrat stellt das Tuberkulin dar. Es enthält demnach nicht nur die in der Nährbouillon vorhandenen Bakterienprodukte, sondern auch die etwa während des Eindampfens ausgelaugten Be- standteile der Bazillen, sowie als überflüssigen Ballast den nicht ver- brauchten Best der von vornherein in der Bouillon vorhandenen Sub- stanzen, und es fehlen die unlöslichen Bestandteile der Bakterienkörper, sowie alle jene Substanzen, welche durch das Erhitzen ausgefällt oder sonstwie gelöst werden [Dönitz2)]. Die späteren Modifikationen sollen uns in dieser Abhandlung nicht weiter beschäftigen. Denys3) in Löwen bereitete in ähnlicher Weise sein Tuber- kulin, umging aber das Eindicken der Tuberkelkulturen und befreite diese nur durch Filtration von den Bakterien, da er annahm, daß die von Koch angewandten hohen Temperaturen Veränderungen unzweck- mäßiger Art zuwege brächten. Als warmer Fürsprecher dieses Tuberkulins tritt neuerdings Frey4) in Davos auf. 1) Koch, Deutsche mecl. Wochenschr., 1891, No. 3. 2) Dönitz, Zeitschr. f. ärztl. Fortbildung, I. Jahrg. 1904, No. 13. 3) Denys, in Bull, de l’acad. de med. de Beige, Bruxelles 1902, s&ince 22 mars, und Broden, Arch. de med. exper. T. XI., Nr. 1, Jan. 1899, Näheres auch Verhandl. des VIII. vlämischen naturwiss. u. mediz. Kongresses zu Ant- werpen 1904, Ref. Münch, med. Wochenschr., 1905, No. 7. 4) Frey, Ueber die spezifische Behandlung der Tuberkulose. Leipzig u. Wien, Deuticke, 1905.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22400722_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)