Tuberkulin und Organismus : eine kritische und literarische Studie zur Wertung des Alttuberkulins in der Gegenwart nach biologischen Gesichtspunkten und auf Grund der bisherigen Erfahrungen : dem Internationalen Tuberkulosekongress zu Paris 1905 gewidmet / von F. Köhler.
- Köhler, Fritz, 1874-
- Date:
- 1905
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Credit: Tuberkulin und Organismus : eine kritische und literarische Studie zur Wertung des Alttuberkulins in der Gegenwart nach biologischen Gesichtspunkten und auf Grund der bisherigen Erfahrungen : dem Internationalen Tuberkulosekongress zu Paris 1905 gewidmet / von F. Köhler. Source: Wellcome Collection.
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![Organismus nicht beeinflussen, während sie in dem anderen heftiges oder mittleres Fieber erzeugen. Es spielt hier offenbar außer dem Mikroben selbst der passive Organismus eine ausschlaggebende Rolle. Dabei scheint keine sichere Beziehung zwischen fiebererregender und pathogener Fähigkeit einer Bakterienart für eine Tierspezies zu bestehen. Wenigstens vermögen Mikroben, die für ein Tier nicht pathogen sind, in abge- tötetem Zustande bei ihm Fieber zu erzeugen [Krehl1)]. Aus den Mikroben kann man verschiedenartige Proteine dar- stellen, welche fiebererregend wirken. Ob aber diese allein das wirk- same Moment der fiebererregenden Wirkung der Bakterien darstellen, ist, wie schon erwähnt, noch nicht als sicher anzusehen, ebensowenig ist die Frage der Beschaffenheit bakterieller Gifte ausreichend geklärt. Es wird ferner festzustellen sein, ob nicht der nach der Bazillen- invasion vor sich gehende Körperzellenverfall allein das Fieber im Organismus bedingen kann. Daß Abkömmlinge von Körpergeweben ohne Mitwirkung von Mikroorganismen im Organismus fiebererregend wirken können, ist sicher. Für diese Tatsache verweist Krehl auf das Fieber nach subkutanen Frakturen [V olkmann und Genzmer2)], bei großen Blutergüssen [v. Bergmann und v. Anger er3)], bei der Auflösung von Blutkörperchen. Aber welche Stoffe kommen hier als die wirk- samen in Betracht? Hervorzuheben ist, daß der bei der Gerinnung von Blut frei werdende Körper, das sogenannte Fibrinferment, Fieber hervor- zurufen vermag [E d e 1 b e r g 4)], auch die verschiedensten Arten von Eiweiß, assimilierbares wie solches, welches den Saftstrom durch die Nieren wieder verläßt, hydriertes und nichthydriertes, andere organische Stoffe sowie mancherlei Salze vermögen Fieber hervorzurufen. Aber auch hier verhalten sich wieder verschiedene Tierarten den einzelnen Stoffen gegenüber durchaus nicht in der gleichen Weise (Krehl). Von einer ätiologischen Einheit kann in der Fieberfrage indessen noch keine Rede sein. Die Ergebnisse lehren ferner auch hier das Prinzip der Eigenart des individuellen Organismus in seinen Beziehungen zur Entfaltung biologischer Manifestationen. Die Untersuchungen von Krehl undMatth.es über die Wirk u n g 1) Krehl, Lehrbuch der pathologischen Physiologie, Leipzig, C. W. Vogel. 2) Volkmann und Genzmer, Volkmanns klinische Vorträge, Nr. 21. 3) v. Bergmann und Angerer, Würzburger Festschrift; v. Angerer, Klinische und experimentelle Untersuchungen/iber Resorption von Blutextravasaten, Würzburg 1879. 4) Edelberg, Archiv f. experimentelle Pathologie, Bd. 12.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22400722_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)